Lokomotivkessel. 177
großer Geschwindigkeit aus der Blasrohrmündung entweicht und dabei die ihn umgebenden
Feuergase mit sich fortreißt. Hierdurch tritt eine Lustverdünnung in der Rauchkammer
und damit in den Heizröhren und im Feuerraum ein. Die atmosphärische Luft ihrer
seits dringt nun infolge ihrer größeren Pressung kräftig durch die Rostspalten in das
Brennmaterial, gibt ihren Sauerstoff an die Kohlenteilchen ab, erzeugt dadurch eine leb
hafte Verbrennung mit hoher Temperatur und strömt, in Feuergase umgewandelt, durch
die Siederöhren nach der Rauchkammer hin ab, um von hier mit dem Dampfstrahl durch
den Kamin hindurch ins Freie befördert zu werden. Man nennt diesen Verbrennungs
vorgang eine Verbrennung mit künstlichem Zuge, im Gegensatz zu einer solchen mit
natürlichem Zuge, den man durch hohe Schornsteine bei feststehenden Dampfkesseln und
sonstigen Feuerungsanlagen erzeugt. Beim natürlichen Zuge kann man auf 1 qm Heiz
fläche höchstens 20—30 kg verdampftes Wasser in der Stunde rechnen, läßt aus wirtschaft
lichen Gründen aber in der Regel nur 12 bis 15 kg zu, während man bei Lokomotiven
173. Kcffiet einer neueren amerikanischen Niesenlakoinative.
Abi. 173 ll. 175 gehören nach ,.The Engineer“ einer 1898 erbauten zehnrädrlgcn Lnlömotive von 104400 kg Gewicht an. Der Kessel ist ein
schließlich Rauchkammer 10 m lang und an der F-u-rbüchse 2,5 m hoch. Der Lanatessel hat 2,1 m Durchmesser, enthalt 355 Heizröhren und
ist für -inen Dampfdruck von 14 Atmosphären bestimm». Die Rostfiäche ist 3 m lang und I m breit. Die gesamte H-t,stach- ist 309 ->m
Das Gewicht des Kessels beträgt 26 920 kg.
40—60 kg, ja bei den stärksten neueren Schnellzuglokomotiven selbst bis zu 65 kg Dampf
stündlich auf 1 qm Heizfläche entwickeln muß. Eine derartige starke Verdampfung kann
nur durch künstlichen Zug erreicht werden.
Auch der Schornstein ist von erheblichem Einfluß auf die Feueranfachung. Diese kann
durch Verengern oder Erweitern desselben verstärkt oder verringert werden, desgleichen durch
Verlängern oder Verkürzen des Schornsteines, endlich auch durch Tiefer- oder Höhersetzen
des Blasrohres. Grundregel bleibt aber in jedem Falle die genaue zentrale Lage der Blas
rohrmündung zum Schornsteinquerschnitt, sonst sinkt die Blasrohrwirkung erheblich herab,
und die Dampfentwickelnng der Lokomotive ist wesentlich verschlechtert. Mau sieht, die gute
Feueranfachung hängt von einer ganzen Reihe sorgfältig zu bemessender Größen ab, und
die Aufgabe, hier das Richtige zu treffen und Klarheit in den Zusammenhang zwischen
Blasrohr- und Schornsteinwirkung zu bringen, ist schwierig. An der Lösung derselben
haben sich zahlreiche Ingenieure schon in der ersten Zeit nach Einführung der Eisen
bahnen versucht.
Deutsche Gelehrte haben auch theoretisch die Sache behandelt, gestützt auf die Resultate,
die der Obermaschinenmcister Prüsmanu 1861 in Lingen bei seinen Versuchen erzie e, e
ein konischer Schornstein besser wirken sollte als ein cylindrischer. Dieses Ergebn
auch die Theorie über die bessere Wirkung des konischen Schornsteins ist aber^mcht stichhaltig,