Object : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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der  gepachteten  Grundstücke  bewiesen.  Die  durchschnittliche  Grösse
derselben  beträgt  in  ganz  Neurussland  37,9  Dess.  ln  den  einzelnen
Gouvernements  ist  sie  viel  höher,  indem  sie  im  Gouv.  Cherson  sogar
über  250  Dess.  beträgt.
Als  ein  charakteristischer  Zug  der  Bauernpacht  in  Südrussland  sei
hier  noch  eine  starke  Ausdehnung  der  langjährigen  Pacht  (in  Russland
gilt  die  über  drei  Jahre  dauernde  Bauernpacht  als  langjährige)  erwähnt,
ln  Bezug  auf  Ausdehnung  der  langfristigen  Pacht  stehen  die  neurussischen
Gouvernements  an  erster  Stelle  unter  allen  Gouvernements  des  Europäischen ­
  Russlands.  Die  Zahl  der  Bauern,  die  das  Land  für  eine  Frist
von  mehr  als  drei  Jahre  übernehmen,  betrug  im  Jahre  1900  36,9%  der
gesamten  Zahl  der  Bauernpächter,  ln  den  einzelnen  Gouvernements  ist
der  Prozentsatz  der  Fälle  der  langfristigen  Pacht  noch  höher,  indem  er
im  Gouv.  Cherson  69,7%  und  im  Dongebiet  sogar  85%  beträgt.
Durch  die  vorangehende  Erörterung  über  die  Bauernpacht  haben
wir  eine  bemerkenswerte  Begleiterscheinung  derkapitalistischen  Entwicklung
in  der  neurussischen  Landwirtschaft  festgestellt.  Zwar  haben  tvir  nur
die  Bauernpacht  untersucht,  da  die  Angaben,  welche  die  Pacht  von
Kaufleuten  und  Kleinbürgern  betreffen,  zu  lückenhaft  sind,  und  doch
könnte  eine  Betrachtung  über  eine  solche  den  kapitalistischen  Charakter
des  in  den  neurussischen  Gouvernements  herrschenden  Pachtsystems
nur  bestätigen.
Es  ergibt  sich  also,  dass  die  gutsherrliche  Wirtschaft,  die
schon  in  den  meisten  Fällen  den  Unternehmungscharakter  trägt,  auf
den  Absatz  produziert  und  sich  nach  kapitalistischen  Berechnungen
richtet,  am  meisten  auch  ihren  Charakter  auch  in  dem  Falle  behält,
wenn  sie  nicht  vom  Gutsherrn  oder  durch  die  Administration,  sondern
durch  Verpachtung  bewirtschaftet  wird.  Davon  spricht  auch  der  Grossgrundbesitzer ­
  aus  dem  Gouv.  Cherson,  Graf  Stembock-Fermor.  Indem
er  die  Vorteile  der  Verpachtung  für  die  Gutsherrn  darlegt,  schliesst  er
seine  Bemerkungen  darüber  folgendermassen:  «.  .  .  .  Die  direkte  Geldrente ­
  in  der  Form  eines  immer  steigenden  Pachtschillings  übertrifft  die
Rente,  die  der  Gutsherr  durch  die  eigene  Bewirtschaftung  bezieht,  was
sich  durch  die  teuere  Administration  und  die  hohen  Arbeitslöhne  erklärt.» 1 )
Wird  die  Sorge  für  die  Beschäftigung  von  Lohnarbeitern  seitens  der
Gutsbesitzer  durch  die  Verpachtung  ihres  Landes  umgangen,  so  schliesst

>)  Lieber  die  gegenwärtige  Lage  und  die  Aufgaben  des  Grossgrundbesitzes  in
den  südrussischen  Gouvernements.  Die  Schriften  der  «Kais.  Freien  Volkswirtschaft!.
Gesellschaft»  1898,  Bd.  XI—XII,  S.  291.

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