Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Taurien,  95,5  im  Gouvernement  Cherson,  90,1  im  Gouvernement  Ekaterinoslaw.
  Als  Pächter  treten  in  den  neurussischen  Gouvernements  Gemeinden,
Genossenschaften  und  einzelne  Bauernwirte  auf.  Es  versteht  sich  von
selbst,  dass  die  Gemeinde  bei  der  Pacht  keine  Unternehmungszwecke
verfolgt.  Das  durch  die  Gemeinde  in  Pacht  übernommene  Land  dient
für  die  Beseitigung  resp.  Verminderung  des  Landhungers  einzelner  Gemeindegenossen. ­

Was  die  Pacht  durch  die  Genossenschaften  anbetrifft,  so  ist  hier
zu  bemerken,  dass  die  Genossenschaften  der  russischen  Bauern,  die  zum
Zwecke  der  Pacht  gebildet  werden,  nicht  Produktivgenossenschaften  sind,
sondern  Genossenschaften,  die  nur  zum  Zwecke  des  Kaufes  resp.  der
Pacht  gebildet  werden.  Das  in  Pacht  übernommene  Land  dient  also
keiner  korporativen  Unternehmung,  sondern  ausschliesslich  den  persönlichen ­
  Bedürfnissen  jedes  einzelnen  Genossen.  Die  Kleinbesitzer  nehmen
an  einer  solchen  Genossenschaft  teil,  um  das  knappe  Budget  ihrer  Wirtschaft ­
  durch  die  gepachteten  Grundstücke  zu  verbessern,  die  wohlhabenden
Bauern  —  zu  Unternehmungszwecken.  Da  der  Geldanteil  jedes  Genossen
ziemlich  hoch  ist  und  da  der  Vorteil  von  solcher  genossenschaftlichen
Pachtung  für  verschiedene  Gruppen  der  Wirtschaften  verschieden  äst,  so
bilden  sich  die  Genossenschaften  solcher  Art  am  häufigsten  im  Mittelgrundbesitze, ­
  wo  aber  die  Bevölkerung  differenziert  ist  und  Grossbauer
und  Kleinbauer  sich  gegenüberstehen,  kommt  diese  genossenschaftliche
Pachtform  sehr  selten  vor.  Es  ergibt  sich  also,  dass  da,  wo  die  kapitalistischen ­
  Verhältnisse  auf  dem  platten  Lande  am  weitesten  entwickelt
sind,  und  wo  eine  bedeutende  Zahl  grösserer  Bauernwirtschaften  besteht,
die  nach  Gesichtspunkten  der  Unternehmung  geleitet  werden,  die  genossenschaftliche ­
  Pacht  am  wenigsten  entwickelt  ist.  Und  umgekehrt  kann
man  aus  der  geringen  Ausdehnung  der  kapitalistischen  Pacht  schliessen.
Unter  den  verschiedenen  Kategorien  von  Pächtern  —  Gemeinden,  Genossenschaften ­
  und  einzelnen  Bauernwirten  —  sind  die  letzten  als  die  vorherrschenden ­
  zu  bezeichnen. 1 )  So  macht  von  der  gesamten  Zahl  der
Pachtfälle  im  Jahre  1900  die  Zahl  der  Pachtfälle  von  den  einzelnen
Bauernwirten  87,7  Prozent  aus.
Was  den  Charakter  dieser  Pacht  seitens  einzelner  Bauernwirte
anbetrifft,  so  ist  sie  eine  Geldpacht  —  •  in  ganz  Neurussland  macht  sie
78,2  Prozent  von  allen  Arten  von  Pacht  aus.  Dass  die  neurussischen
Pächter  Unternehmungszwecke  verfolgen,  wird  auch  durch  die  Grösse
*)  Vgl.  Manuilow,  Die  Bauernpacht.  Studien  über  die  Agrarfrage.  Bd.  II.  Schullze-Qävernitz.
  Volkswirtschaft!.  Studien  aus  Russland.  Kap.  Agraria.
            
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