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Zweites Buch. Die Gegner.
ob die Wirkung dieser Kräfte nicht weniger brutal gestaltet werden kann ?
ob das Räderwerk des verborgenen Mechanismus, den sie entdeckt haben,
nicht etwa geölt werden könnte, um dann mit geringerer Reibung zu
arbeiten ?
Die Saint-Simonisten, zu denen man in diesem Punkte Sismondi
rechnen muß, sind im Gegenteil von der Langsamkeit, dem Ungeschick
und oft auch von der Grausamkeit peinlich betroffen, mit denen diese
spontanen sozialen Kräfte sich meistens durchsetzen. Sie bemühen sich
dann, an ihre Stelle eine zielbewußte und vernünftige Reaktion der Ge
sellschaft zu setzen. Der spontanen Versöhnung der Interessen stellen
sie ihre künstliche Aussöhnung gegenüber, und sie suchen leidenschaft
lich nach dem Mittel, sie zu verwirklichen. Daher ihre zahllosen Be
mühungen, um einen neuen Mechanismus zu finden, der fähig wäre, an
Stelle jenes spontanen Mechanismus zu treten. Daher die oft kindlichen
Pläne, um die Koordination und Assoziation der wirtschaftlichen Kräfte
durchzuführen. Diese mit Notwendigkeit zum Scheitern verdammten
Versuche liefern dann den Gegnern des Sozialismus die besten Waffen,
um ihn zu bekämpfen. Jedoch bleiben nicht alle diese Versuche ohne
Erfolg, und einige haben sogar einen großen Einfluß auf die soziale Ent
wicklung gehabt.
In der Lehre Saint-Simon’s werden diese Gegensätze zwischen der
Nationalökonomie und dem Sozialismus zum erstenmal mit allem Nach
druck dargelegt. Heute kann es uns durchaus gleichgültig sein, daß
die Schule dem Fluch der Lächerlichkeit erlegen ist, und daß die Exzen
trizitäten Enfentin’s seine Propaganda gerade in dem Augenblick unter
brochen haben, als die Schule Foürier’s sich mit Erfolg entwickelte.
In der Geschichte der Doktrinen kommt es vor allen Dingen darauf an,
die Ideen, die Gedanken hervorzuheben. Und der Saint-Simonismus
erscheint uns ohne jeden Zweifel als der erste, der beredtste und der ein
druckvollste der Gefühle und Ideen, die den Sozialismus des 19. Jahr
hunderts bilden 1 ).
!) An dieser Stelle muß unbedingt auch auf das bewunderungswürdige kleine
Werk Anton Menger’s: Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag (1886)
hingewiesen werden, dessen Studium zur Kenntnis der Geschichte des Sozialismus
unumgänglich nötig ist. — Wir erwähnen ebenfalls, um nicht wieder darauf zurück-
zukommen: Les Syst&mes socialistes (Paris, 1902, 2 Bde.) von Pareto als die ori
ginellste kritische Arbeit (obgleich nicht immer frei von Parteilichkeit), die über den
Sozialismus veröffentlicht worden ist, —-wie auch das Buch Bourguin’s: Les Systeme*
socialistes et Revolution öconomique (Paris 1906), das die am wissenschaft
lichsten durchgebildete Kritik der wirtschaftlichen Theorien des Sozialismus enthält-