Object: Kapitalismus und Sozialismus

II. Die sozialistische Kritik an der bestehenden 
Wirtschaftsordnung. 
Allgemeines. 
Im Frühjahr 1919 wurden in Sachsen Versammlungen mit' 
der Tagesordnung abgehalten: „Rönnen wir jetzt sozialisieren?" 
Sie sollten dazu dienen, Stimmung für das schon erwähnte Soziali 
sierungsprogramm von vr. Neurath und Genossen zu machen, das 
nach seiner volkswirtschaftlichen Natur schon auf einer ausgeprägt 
kommunistischen Basjs steht und etwa als „verschämter Bolschewis 
mus" sich kennzeichnen läßt. Durch diese Fragestellung sollte wohl 
auf dem Wege der Suggestion eine bejahende Antwort auf die Frage, 
ab überhaupt zur Sozialisierung eine Nötigung vorliegt, erschlichen 
werden. Diese Frage, ob überhaupt zwingende Gründe zur Soziali 
sierung vorliegen, gilt es aber, wenn man das Problem wirklich 
objektiv und voraussetzungslos erörtern will, zunächst zu behandeln. 
Zu diesem Zwecke sind vor allem die Anklagen zu prüfen, die der 
Sozialismus gegen die individualistische Wirtschaftsordnung und 
den aus ihrem Schoß geborenen Rapitalismus vorzubringen hat 
und die er für ausreichend hält, um da; Todesurteil über den An 
geklagten zu fällen. Die Anklagen des Sozialismus gegen die be 
stehende Gesellschaftsordnung wurden im letzten Abschnitt schon hier 
und da gestreift. Sie erfordern aber noch eine mehr systematische 
Behandlung. Ts handelt sich hauptsächlich um drei Punkte. Natür 
lich darf man nicht erwarten, bei jedem beliebigen sozialistischen 
Schriftsteller diese dreifache Kritik der heutigen Wirtschaftsordnung 
zu finden. Der eine legt mehr wert auf diesen, der andere auf 
jenen Punkt. Dabei kann aber kein Zweifel sein, in diesen drei
	        
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