Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

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Das subjektive Gefühl als wirtschaftlicher Faktor 
ländern kalkuliert, die auch schon 4—6 Wochen alt 
waren. 
hatte er nun günstig eingekauft, und ging alles 
gut, so war wohl ein hübscher Verdienst zu erzielen,- 
traten aber unvorhergesehene politische Störungen ein 
oder Handelsstockungen, oder war zufällig gerade viel 
Baumwolle aus anderen Ländern angekommen, dann 
konnten die Verluste einen Umfang annehmen, den 
heute jeder einigermaßen solide Kaufmann zu ver 
meiden sucht. 
Dieses legitime Warengeschäft, wo noch tatsäch 
lich mit waren gehandelt wurde, war also in hohem 
Nkaße spekulativ und gefährlich. 
Vergleichen wir einmal damit den heutigen Handel 
in Meinungen! Dem Neuorleans-Kaufmann stehen 
die Nachrichten über sämtliche Baumwollernten und 
Verschiffungen der ganzen Welt zur Verfügung, hier 
aus bildet er sich eine Meinung über die mutmaß 
liche Bewegung der Preise im Laufe der nächsten Monate, 
und ferner ist er über die Chancen seines eigenen 
Viarktes durch enge Verbindung mit den Baumwoll- 
produzenten aufs beste unterrichtet. Je nachdem er 
nun ein Weichen oder Steigen der Preise erwartet, 
wird er entweder als Käufer auftreten, oder er wird 
an den Terminbörsen das häufig von Laienkreisen in 
verständnislosester weise abgeurteilte Blankogeschäft 
Machen, d. h. er wird Baumwolle auf Lieferung in 
2—3 Monaten verkaufen, ohne sie zu haben, in der 
sicheren Voraussetzung, daß er sie bekommen wird. 
Jedenfalls hat er es immer in der Hand, sein Risiko 
durch Cindeckung an der Börse abzugrenzen, während 
der alte Kaufmann bei seinem sogenannten legitimen
	        
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