Full text: Laienbrevier der National-Ökonomie

39 
Über ökonomische Verte 
bringen könnte, mit Worten, die selbst keinen Zinn 
haben, wenigstens nicht in nationalökonomischer An 
wendung. 
Wie klar liegen dagegen die Verhältnisse vor un 
seren ñugen, wenn wir die ersparte Arbeit als 
Wertmesser annehmen. 
Wenn Lenbach für eines seiner berühmten Por 
träts lOOOO Mark bekam, so brauchen wir keine 
Kunststücke aufzuführen, um diesen Wert zu erklären. 
Angenommen der Künstler habe eine Lebenshal 
tung von jährlich 20000 Mark gehabt, dann be 
deutet ein solches Bild die Bestreitung der Hälfte die 
ses Aufwandes. Nun wollen wir ganz von der Frage 
absehen, ob ein Kunstwerk Selbstzweck sei oder nicht. 
Jedenfalls enthebt das Werk den Künstler einfach der 
borge, sich alle die tausenderlei Dinge, die er zu seiner 
Lebenshaltung nötig hat, selbst zu beschaffen,- denn 
das Leben ist die Hauptsache, nicht das Bild. Wenn ihm 
jemand 10000 Mark für das Bild zahlte, so heißt 
bas in anderen Worten: hiermit nehmen dir andere 
Wenschen in mittelbarer oder unmittelbarer Weise die 
Arbeit ab, die dazu gehört, dich ein halbes Jahr 
Zu nähren, zu kleiden und alles zu beschaffen, was 
bu zu deiner Lebenshaltung brauchst. Zie schlachten 
sür dich die Gchsen, bauen für dich das Korn, backen 
bein Brot, drehen deine Zigarren, alles Dinge, die 
bu eigentlich, wenn du sie genießen willst, selbst Her 
stellen müßtest. Diese ganze Arbeitsleistung nimmt dir 
dein Bild ab, folglich, sagen wir, ist diese ersparte 
Arbeit sein wert. 
Daher sind auch solche Preise, wie sie hin und 
wieder in unserer Zeit für Kunstwerke und Liebhabe 
reien gezahlt werden, nur möglich im Zeitalter der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.