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Über ökonomische Verte
bringen könnte, mit Worten, die selbst keinen Zinn
haben, wenigstens nicht in nationalökonomischer An
wendung.
Wie klar liegen dagegen die Verhältnisse vor un
seren ñugen, wenn wir die ersparte Arbeit als
Wertmesser annehmen.
Wenn Lenbach für eines seiner berühmten Por
träts lOOOO Mark bekam, so brauchen wir keine
Kunststücke aufzuführen, um diesen Wert zu erklären.
Angenommen der Künstler habe eine Lebenshal
tung von jährlich 20000 Mark gehabt, dann be
deutet ein solches Bild die Bestreitung der Hälfte die
ses Aufwandes. Nun wollen wir ganz von der Frage
absehen, ob ein Kunstwerk Selbstzweck sei oder nicht.
Jedenfalls enthebt das Werk den Künstler einfach der
borge, sich alle die tausenderlei Dinge, die er zu seiner
Lebenshaltung nötig hat, selbst zu beschaffen,- denn
das Leben ist die Hauptsache, nicht das Bild. Wenn ihm
jemand 10000 Mark für das Bild zahlte, so heißt
bas in anderen Worten: hiermit nehmen dir andere
Wenschen in mittelbarer oder unmittelbarer Weise die
Arbeit ab, die dazu gehört, dich ein halbes Jahr
Zu nähren, zu kleiden und alles zu beschaffen, was
bu zu deiner Lebenshaltung brauchst. Zie schlachten
sür dich die Gchsen, bauen für dich das Korn, backen
bein Brot, drehen deine Zigarren, alles Dinge, die
bu eigentlich, wenn du sie genießen willst, selbst Her
stellen müßtest. Diese ganze Arbeitsleistung nimmt dir
dein Bild ab, folglich, sagen wir, ist diese ersparte
Arbeit sein wert.
Daher sind auch solche Preise, wie sie hin und
wieder in unserer Zeit für Kunstwerke und Liebhabe
reien gezahlt werden, nur möglich im Zeitalter der