Full text : Zum Kampf um die wirtschaftliche Selbständigkeit des Klein- und Mittelbetriebes

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unbedingt  verlangen  müssen,  das  ist  der  Wille  zu
helfen,  und  zwar  nach  der  Dringlichkeit  ist  der
entscheidende  Entschluss,  alles  andere  zurückzustellen ­
  hinter  die  Aufgabe,  die  Hungrigen  zu
sättigen,  die  Arbeitslosen  zu  stützen,  die  Kinder
aus  dem  Wohnungselend  zu  retten.
Warum  war  es  möglich,  in  so  fabelhaft  kurzer
Zeit  die  grosse  nationale  Zeppelinspende  zusammenzubringen, ­
  weil  durch  das  Unglück  der
Wille  geboren  wurde,  zu  helfen.  Und  dieser  Wille
brachte  die  Hilfe.  Warum  war  es  möglich,  eine
Milliarde  für  Wehrzwecke  bereit  zu  stellen,  weil
der  Wille  da  war,  für  den  Schutz  des  Reiches,  für
die  Sicherung  der  Grenze  das  zu  tun,  was  uns  als
Pflicht  erschien.
Man  hat  bislang  mit  dem  Pflaster  Wohltätigkeit
gearbeitet,  obgleich  man  weiss,  dass  es  kein  Heilpflaster ­
  ist,  sondern  nur  ein  Linderungspflaster.
Es  ist  auch  teilweise  recht  angenehm,  weil  es  sich
mit  angenehmen  Vergnügungen,  mit  Bazaren,  mit
Sekt,  Musik  und  Tanz  verbindet.
Der  Liberalismus  mit  seinen  Grundpfeilern  der
Wahrhaftigkeit  und  Ehrlichkeit,  der  Freiheit  und
Gleichberechtigung  aller  Menschen  muss  den
festen  Willen  mit  der  Leidenschaft  eines  echten
Menschenherzens  auf  sein  Pannier  erheben  und

handeln  und  arbeiten  entsprechend  der  Dringlichkeit ­
  der  einer  Lösung  harrenden  Aufgaben.
Dann  wird  garnicht  die  Frage  entstehen  können,
was  tut  der  Liberalismus,  sondern  jedermann  wird
es  fühlen.
Entweder  propagiert  der  Staat  dem  Volke  den
Gedanken  der  Kinderbeschränkung,  um  eine  Vermehrung ­
  des  Proletariats  zu  behindern,  oder  aber
erlässt  der  Volkskraft  freie  Entwicklung,  weilersie
wirtschaftlich  und  politisch  braucht,  und  erkennt
es  dann  als  seine  erste  und  heiligste  Pflicht  an,
die  arm  Geborenen  vor  Not  und  Eiendzu  schützen
mit  allen  irgend  erreichbaren  Mitteln.  Hier  entscheidet ­
  die  Dringlichkeit,  und  andere  Aufgaben,
die  man  heute  vorzieht,  haben  in  den  Hintergrund
zu  treten.  Es  handelt  sich  hier  um  Christenpflicht,
um  die  erste  sittliche  Forderung  wahrhaft  freier
Menschen.  Hier  darf  der  Liberalismus  keinen
Kompromis  dulden,  er  hat  zu  fordern,  dass  jeder
ehrliche  Mann  Farbe  bekennt  und  sich  für  den
einen  oder  anderen  Weg  entscheidet.  Möge  der
Liberalismus  doch  die  Kraft  finden,  diese  Frage
zu  stellen  und  so  zu  beantworten,  dass  kein
deutscher  Arbeiter  mehr  zweifelnd  zu  fragen
braucht:  „Was  tut  für  uns  der  Liberalismus?“

Die  Fabrikzeitung

K lagen  über  das  geringe  Interesse  der  Arbeiter
und  zum  Teil  auch  der  Angestellten  an  ihrer
Arbeit,  die  mangelnde  Anteilnahme  an  den
Lebensinteressen  des  Werkes  ergehen  ständig  aus
industriellen  Kreisen.  Die  Ursachen  dieser  Erscheinung ­
  liegen  zum  Teil  schon  in  der  Ausdehnung ­
  der  neuzeitlichen  Werke.  Im  kleinen
Betriebe  spricht  wohl  der  Meister  mit  seinem
Gesellender  Chef  mit  seinem  Handlungsgehilfen,
erfährt  die  Hilfskraft  alle  Sorgen  des  Arbeitgebers
und  nimmt  an  ihnen  teil.  Wird  der  Betrieb
grösser,  entsteht  das  besondere  Zimmer  des  Arbeitgebers, ­
  das  sich  von  dem  Arbeitsplatz  in  dem  Grade
entfernt,  als  der  Betrieb  sich  ausdehnt,  dann  verliert ­
  sich  die  Fühlung  des  Arbeitgebers  mit  seinen
einzelnen  Mitarbeitern,  und  nur  einige  wenige
werden  Vertraute,  die  mit  dem  Arbeitgeber  persönlich ­
  in  Berührung  bleiben.  Für  alle  anderen
bleiben  die  geschäftlichen  Vorgänge  und  dieSorgen
des  Unternehmers  verborgen.  Nur  s  wenn  einmal
mangels  Arbeit  die  Kündigungen  oder  Verkürzungen ­
  der  Arbeitszeit  bekannt  gegeben  werden,
dann  erhalten  erst  viele  Kenntnis  von  den  Schwierigkeiten ­
  in  der  Beschaffung  von  Arbeit,  über  die
man  vorher  kaum  etwas  vernommen  hatte.  Wenngleich ­
  natürlich  in  Rücksicht  auf  die  Wettbewerbsverhältnisse ­
  nicht  alle  Qeschäftsvorfälle  den  Werkangehörigen ­
  bekannt  gegeben  werden  können,  so
bemühen  sich  die  Industriellen  doch  zum  Teil
schon,  unter  ihren  Verkäufern  und  Vertretern  das

Interesse  wach  zu  halten  und  Wetteiferzu  erzeugen
durch  Ausgabe  von  Berichten  über  die  Erfolge
der  einzelnen  Verkäufer.  Besonders  die  Amerikaner ­
  statten  diese  Wochen-  und  Monatsberichte
mit  Porträts  und  interessierenden  Abbildungen
aus  und  greifen  selbst  zum  illustrierten  Extrablatt,
um  den  Eifer  wie  bei  einem  Wettrennen  auf  das
äusserste  anzustacheln.
So  dankbarim  allgemeinen  die  Angestellten  und
Arbeiter  für  jedes  freundliche  Wort  ihres  Brotgebers ­
  sind,  das  für  sie  den  Beweis  eines  persönlichen ­
  Interesses  bildet,  so  fehlt  doch  abgesehen
von  einigen  Ausnahmen  im  grösseren  Betriebe
den  leitenden  Persönlichkeiten  die  Zeit,  um  sich
mit  dem  einzelnen  Arbeiter  oder  Techniker  über
geschäftliche  Fragen  zu  unterhalten.
In  englischen  Firmen  versammeln  sich  jährlich
in  einem  Hotel  bei  einem  Staff-dinner  Direktoren,
Beamte  und  Meister  zu  einer  geschäftlichen  Aussprache, ­
  zu  einem  lahresbericht,  mit  folgendem
gemeinsamen  Essen  und  anschliessendem  unterhaltenden ­
  Ende.  Es  ist  ein  Austausch  von  Dank
und  Anerkennungsbezeigungen  für  das,  was  man
sich  gegenseitig  getan  hat.  Man  bildet  Hand  in
Hand  eine  Kette  und  singt  ein  Bundeslied,  man
kommt  sich  persönlich  nahe,  Mensch  zu  Mensch
und  fühlt  sich  als  anerkanntes  Glied  eines  grossen
Triebwerkes.  Ein  Angestellter  ist  Präsident,  der
jährlich  wechselt  und  zu  seinen  Seiten  sitzen  dann
die  Direktoren  und  Geschäftsinhaber.
            
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