Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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XXV  1.

schränkung  der  von  einem  Schiff  aufzunehmenden  Negerzahl
würde  wegen  der  auswärtigen  Konkurrenz  den  Ruin  des
britischen  Sklavenhandels  zur  Folge  haben,  gelangte  schliefslich
  doch  nach  langen  Diskussionen  die  sogenannte  Dolbensche
Regulationsakte  zur  Annahme.  Sie  trat  am  11.  Juli  1788,
zunächst  nur  mit  einjähriger  Gültigkeit,  in  Kraft  und  besagte  :
„Sklavenschiffe  unter  150  Tonnen  dürfen  auf  je  drei  Tonnen
nicht  mehr  als  fünf  Neger,  solche  von  mehr  als  150  Tonnen
nicht  mehr  als  drei  Neger  auf  je  drei  Tonnen  einnehmen.
Kapitän  und  Schiffsarzt  bekommen  Prämien  von  25—100  j£,
wenn  sie  auf  der  Überfahrt  nicht  mehr  als  3—2%  Verluste
haben“  (29.  Geo.  III.  c.  66,  f.  III).
Unterdessen  hatte  die  Untersuchung  des  königl.  Komitees
ihren  Fortgang  genommen.  Im  Frühjahr  1789  wurde  sie  abgeschlossen ­
  ,  und  am  12.  Mai  1789  war  Wilberforce  so  weit,
dafs  er  ihr  Ergebnis  in  wohlgesetzter  Rede  dem  Unterhause
vortragen  und  zum  Anlafs  seines  ersten  Abolitionsantrages  verwenden ­
  konnte.
Die  Debatte  hierüber  war  so  erregt,  wie  sie  nur  sein
konnte.  Die  Mehrheit  des  Hauses  neigte  der  Abolition  zu.
Ihre  Gegner  indessen  griffen  die  Zeugnisse  des  Privy  Council
als  unglaubwürdig  an  und  setzten  durch,  dais  ein  Beschlufs
nicht  eher  gefafst  werden  sollte,  als  bis  bessere  Zeugnisse,  und
zwar  „at  the  bar  of  the  House“  gehört  worden  wären.  Das
bedeutete  praktisch:  Verschleppung  des  Antrages  bis  auf  unbestimmte ­
  Zeit.  Doch  wurde  Dolbens  Gesetz  auf  ein  Jahr
verlängert.
Die  Verzögerung  kam  nur  der  gegnerischen  Partei  zustatten. ­
  Es  fanden  nämlich  unterdessen  Ereignisse  statt,  welche
die  Abolition  entschieden  ungünstig  beeinflufsten.  Die  französische ­
  Revolution  nahm  ein  immer  beunruhigenderes  Aussehen ­
  an.  Die  Agitation  der  „Amis  des  Noirs“  ,  die  anders
wie  ihr  englisches  Vorbild,  auch  den  Kampf  gegen  die  ¡Sklaverei
führten  und  dadurch  die  Abolition  in  England  verdächtigten,
die  Erklärung  der  Menschenrechte  und  die  dadurch  verursachten ­
  Sklavenerhebungen  in  den  französischen,  aber  auch
in  den  englischen  Kolonien  (z.  B.  auf  Jamaika),  gaben  den
Pflanzern  einen  schicklichen  Vorwand  zu  der  Behauptung,  dais
die  Bestrebungen  der  Abolitionisten  revolutionären  Charakters
seien.  Die  Abolitionsgesellschaft  wurde  als  ein  Nest  von
Jakobinern  und  Fanatikern  hingestellt.
Unter  diesen  Umständen  war  es  kein  Wunder,  dais  Wilberforce, ­
  als  er  am  18.  April  1791  nach  Beendigung  des  Zeugenverhörs ­
  seinen  Antrag  erneuert  hatte,  abermals  mit  163  Stimmen
gegen  88  abgewiesen  wurde.
Fern,  sich  durch  die  neue  Niederlage  beirren  zu  lassen,
verdoppelte  das  Abolitionskomitee  seine  Anstrengungen.  Es
stellte  bald  fest,  dafs  sich  die  öffentliche  Meinung,  deren  Inter-
            
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