Full text : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

XXV  1.  51
Sklavenimporte.
Die  dänischen  Kolonien  .  .  .  8—9000
„  spanischen  „  6000?

„  Vereinigten  Staaten  damals  wenig
für  eigenen  Gebrauch.
Summa  über  100000  Sklaven.
Namentlich  Frankreichs  rapide  angestiegener  Negerbedarf
mufste  Englands  Neid  erregen.  Die  Bevölkerung  und  die
Produktionskraft  der  französischen  Inseln  hatte  sich  erstaunlich ­
  schnell  gehoben.  Domingue  zählte  (Brougham  II,  S.  100)
im  Jahre  1775  erst  250000  Sklaven,  1790  nach  einer  15jährigen
Importperiode  mindestens  455000,  d.  h.  ebensoviel  wie  das
ganze  britische  Westindien!  Guadeloupe  hatte  seine  Negerbevölkerung ­
  verdreifacht  !  Sämtliche  französischen  Besitzungen
in  Westindien  zusammen  sollten  (Sell,  S.  192)  im  Jahre  1777
erst  386500  Sklaven,  dagegen  1788  deren  660000  Stück  gehabt ­
  haben  !  Da  die  Behandlung  der  französischen  Sklaven
nur  wenig  schlechter,  nach  Ad.  Smith  (IV,  Kap.  2.  Eint.)
sogar  besser  gewesen  sein  soll,  so  können  diese  enormen  Zufuhren ­
  in  der  Hauptsache  nur  dazu  verwendet  worden  sein,
neues  Land  zu  kultivieren,  mehr  Kolonialprodukte  zu  erzeugen
und  den  britischen  Erzeugnissen  schärfere  Konkurrenz  zu
bereiten.
Wie  klar  dieser  Sachverhalt  von  den  Abolitionisten  durchschaut ­
  wurde,  bezeugen  die  folgenden  Auszüge  aus  ihren
Schriften.  „Es  ist  eine  notorische  Tatsache,“  schreibt  Ramsay
1784,  S.  20  ff.,  „dafs  ein  beträchtlicher  Teil  unseres  Sklavenhandels ­
  der  letzten  25  Jahre  in  die  französischen  Kolonien  geleitet ­
  wurde  und  dazu  beigetragen  hat,  dafs  sie  im  letzten
Kriege  zur  See  so  gefährlich  waren.  Verbieten  wir  den  in
die  fremden  Kolonien  geführten  Anteil,  so  fallen  2 la  des  ganzen
Handels.  Setzen  wir  ihn  fort,  so  werden  uns  die  Franzosen
trotz  unserer  enormen  Rückfuhrprämie  von  20  sh.  pro  cwt.
Zucker  durch  Hispaniolas  Fruchtbarkeit  von  allen  Zuckermärkten ­
  verdrängen.  Das  hat  natürlich  eine  Verstärkung
ihrer  Seemacht  zur  Folge.  Also  ist  unser  Sklavenhandel  in
seinem  Nutzen  beschränkter,  als  man  gewöhnlich  denkt,  und
kommt  mehr  unseren  Feinden  zugute  als  uns.“  —  Clarkson
(Impolicy,  S.  80  ff.)  bemerkt  über  denselben  Punkt  etwa:  „Gewöhnlich ­
  freut  man  sich  in  England,  dafs  die  fremden  Kolonien
englische  Sklaven  für  harte  Dollars  kaufen  und  damit  unseren
Wohlstand  vermehren.  Soviel  ist  jedoch  klar:  Jeder  von  uns
in  die  französischen  oder  spanischen  Kolonien  importierte
Sklave  macht  ein  Stück  Boden  urbar  und  vermehrt  damit
die  Produkte  und  zuletzt  die  Seemacht  unserer  Feinde,  während
unsere  eigene  dabei  abnimmt.  Die  Franzosen  werden  dadurch
in  den  Stand  gesetzt,  uns  auf  dem  europäischen  Markte  zu
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