Full text : Antike Wirtschaftsgeschichte

124  Siebentes  Kapitel.  Das  römische  Reich  als  Wirtschaftskörper.
aller  Art,  Textilindustrie,  Glaswarenerzeugung,  zu  finden.  Die
phönikischen  Sitze  der  Industrie  hatten  noch  immer  eine  große  Bedeutung, ­
  so  Tyrus,  wo  die  Rohseide  verarbeitet  wurde,  welche  auf
dem  Landweg  aus  China  kam,  durch  seinen  Purpur.  Der  Handel
des  mittleren  Asien  und  Mesopotamien  ging  wesentlich  über
Syrien,  während  der  Handel  Arabiens  und  Indiens  über  Ägypten
ging  (S.  87).  Dabei  trieben  die  Syrer,  wie  in  früheren  Zeiten,
immer  noch  selbst  Handel  auf  eigenen  Schiffen,  die  in  allen  Häfen
des  Mittelmeers  zu  finden  waren.  Die  Syrer  hatten  eine  Faktorei
in  Ostia,  in  der  sie  sich  ähnlich  wie  die  Griechen  in  Naukratis
(S.  50)  um  ein  Heiligtum  gruppierten.  In  erster  Reihe  war  der
Handel  der  Schöpfer  des  syrischen  Reichtums,  in  zweiter  Linie  erst
die  Industrie.
In  Nordafrika  suchten  die  Römer  die  großen  Verwüstungen
einigermaßen  gutzumachen,  sie  förderten  die  Landwirtschaft  und
Viehzucht,  taten  auch  manches  für  die  Gewerbe.  Tie  großen  Kolonisationen, ­
  besonders  die  Ansiedlung  von  Veteranen  in  der  Kaiserzeit ­
  brachte  manche  Gegenden  wieder  in  die  Höhe.  Besonders  Karthago ­
  war  nach  seiner  Wiedererbauung  bald  ein  großer  Handelsplatz, ­
  der  den  Handel  zwischen  Nordafrika  und  Italien  vermittelte.
Die  dichte  Bevölkerung  wurde  gelichtet,  als  die  Kämpfe  zwischen
den  Throuprätendenten  häufiger  wurden,  und  wie  in  so  vielen
Ländern  begann  auch  in  Nordafrika  damals  der  Untergang,  doch
haben  noch  lange  hervorragende  Männer  dieser  Gegend  als  Kulturträger ­
  gewirkt.
Ägypten  unterstand  direkt  dem  Monarchen.  Die  Verwaltung,
besonders  die  der  Finanzen,  wurde  energisch  zentralisiert  und  in
die  Hände  der  römischen  Beamten  gelegt,  wodurch  die  Überlegenheit ­
  Ägyptens  über  die  andern  Provinzen  gesichert  wurde,  während
die  Kaiser  sonst  den  Gemeinden  eine  gewisse  Autonomie  ließen.
Hier  in  Ägypten  fehlte  aber  die  stadtstaatliche  Tradition  völlig.
Trotz  der  ungeheuern  Fruchtbarkeit  Ägyptens,  trotz  der  Weingärten,
Öl-  und  Dattelpflanzungen  war  die  Bevölkerung  im  ganzen  nicht
allzugut  gestellt;  denn  der  Export  entzog  dem  Lande  den  größten
Teil  seines  Segens,  sei  es,  daß  die  Produkte  durch  die  Verwaltung
oder  den  Handel  aufgesogen  wurden,  denn  letzteres  trug  zum  mindesten ­
  dazu  bei,  die  Getreidepreise  zu  heben,  so  daß  man  den  Ägyptern ­
  Getreidespenden  zuteil  werden  lassen  konnte  wie  den  Römern
(Tacitus,  Annalen  II,  59).  Durch  die  Getreidemagazine  Ägyptens
konnte  der  Kaiser  seine  Römer  sättigen;  sperrte  er  sie,  so  drohte  die
            
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