Full text : Das Lebenswerk von Karl Marx

hange  auszusprechen,  worin  wir  die  historische  Bedeutung  Marxens
erkennen  sollen.
Will  man  die  Leistungen  eines  Mannes  abschätzen,  so  wird  man
zunächst  nach  der  äußeren  Geltung  fragen,  die  er  bei  Lebzeiten  oder
nach  seinem  Tode  gewonnen  hat.  Denn  in  dieser  Geltung  kommt
schon  an  und  für  sich  ein  Teil  der  geschichtlichen  Bedeutung  eines
Menschen  zum  Ausdruck,  sie  ist  aber  dann  weiter  ein  wichtiges  Merkmal, ­
  um  diese  Bedeutung  in  ihrer  Wahrheit  richtig  zu  erkennen.
Fragen  wir  aber,  was  Marx  galt  oder  gilt,  so  müssen  wir
immer  den  Theoretiker  Marx  von  dem  Politiker  Marx  unterscheiden,
müssen  auch  immer  die  vielfach  so  ganz  einander  fremden  Kreise
unserer  Völker:  die  bürgerlichen  und  die  proletarischen  als  besondere
Geltungsbereiche  in  Ansehung  nehmen.
Daß  Marx  äußerlich  einen  ganz  außergewöhnlich  großen  Kreis
von  Interessen  berührt,  weiß  heute  jedermann.  Aber  es  verdient
wohl  der  besonderen  Hervorhebung,  daß  dieser  Kreis  sich  erst  nach
dem  Tode  Marxens  im  wesentlichen  gebildet  hat.  Um  ihn  daher
in  seiner  ganzen  Größe  zu  ermessen,  ist  nichts  so  sehr  geeignet  als
ein  Vergleich  zwischen  dem,  was  Marx  bei  seinem  Tode  galt  und
dem,  was  er  heute  gilt;  genauer:  zwischen  dem  Umkreis  von  Bewußtseinsinhalten, ­
  den  er  damals  vor  25  Jahren  erfüllte  und  den  er
\  heute  erfüllt.
Am  ehesten  wurde  Marx,  als  er  starb,  noch  als  nationalökonomischer ­
  Theoretiker  gewertet.  Die  meisten  Zeitungsnotizen,  die
seinen  Tod  anmeldeten,  enthielten  (wenn  überhaupt  etwas  außer  der
tatsächlichen  Todesmeldung)  kurze  Worte  der  Anerkennung  oder  der
Kritik  über  die  theoretischen  Leistungen  des  Verstorbenen.
Aber  selbst  diese  Geltung  als  „Gelehrter":  wie  beschränkt  war
sie  nach  außen  wie  nach  innen!  Wer  las  damals  Marx  überhaupt?
            
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