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seinen Offenbarungscharakter zerstört. Es ist dem Marx'schen System
wie der Bibel ergangen: war erst einmal erwiesen, daß ein einziger
Satz mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung nicht in Einklang
stehe, also nicht „wahr" sei, so verlor damit das ganze Buch seine
besondere Beweiskraft. Es war jetzt nicht mehr „die Wahrheit"
schlechthin, sondern nur eine Darstellung der Dinge neben anderen.
Mit dem Nachweis, daß Marx geirrt hatte, war das, was man
stolz „wissenschaftlichen Sozialismus" genannt hatte, überhaupt zer
stört. Den Sozialismus konnte man nur retten, indem man ihn
anders als „wissenschaftlich" begründete. Für diese andere Begründung
aber bietet gerade das Marasche System besonders wenig Anhalts
punkte. So daß man glauben sollte: in dem Maße, wie das Prestige
des „wissenschaftlichen Sozialismus" bei den Massen sich verringerte,
würde auch der Marxismus seine Geltung als die Gemeinlehre des
Proletariats einbüßen. Weit gefehlt! Gerade in den letzten Jahren,
die den Zusammenbruch des Marx'schen Lehrgebäudes gesehen haben,
ist der Marxismus mit großer Wärme wenigstens von einem Teile
der Sozialisten als einzig wahre Heilslehre verkündet worden: wiederum
aber in einem neuen Sinne: als Theorie der sozialen Revolution
schlechthin.
Es ist in der Tat nicht schwer, aus den Schriften namentlich
des jungen Marx genügend viel Material zu entnehmen, das vor
trefflich als Brandstoff dienen kann, um das Feuer einer revolutionären
Begeisterung zu schüren.
Bor allem das kommunistische Manifest ist durchglüht von
einem echt revolutionären Feuer; cs klingt wie ein Hohes Lied der
Revolution.
„Auf Deutschland richten die Kommunisten, so schließt es, ihre
Hauptaufmerksamkeit, weil Deutschland am Vorabend einer bürgen