Full text : Das Lebenswerk von Karl Marx

■

—  47  —
Manier  eines  Meisters  bemächtigen  und  um  sie  streiten,  als  käme  es
darauf  an,  nach  welcher  „Methode"  geschaut  wird,  während  es  doch
nur  bedeutsam  ist,  daß  Einer  Augen  zum  Sehen,  Ohren  zum  Hören
und  einen  Mund  zum  guten  Aussprechen  hat.
Es  ist  begreiflich  genug,  daß  die  Geschichte  der  Geisteswissenschaften
  so  verläuft  und  so  grundverschieden  von  der  der  Naturwissenschaften ­
  sich  gestaltet.  Denn  es  sind  ja  immer  neue  Objekte,  die  zu
betrachten  sind,  immer  neue  Menschen,  die  sie  anschauen,  immer  neue
Bedingungen,  unter  denen  die  „Erkenntnis"  zu  Stande  kommt.  Man
wird  doch  gewiß  nicht  sagen  wollen,  daß  die  „Geschichtswissenschaft"
von  Thucydides  zu  Tacitus  zu  Macchiavelli  zu  Mommsen  irgend
welchen  „Fortschritt"  gemacht  habe,  daß  unser  Wissen  vom  Leben
der  Völker  (unbedeutende  Einzelheiten  außer  Acht  gelassen)  in  dreitausend ­
  Jahren  irgendwie  „vermehrt"  worden  sei.  Oder  man  wird
doch  nicht  behaupten  wollen,  daß  die  Staatslehre  seit  Aristoteles  oder
Montesquieu  irgendwie  „weiter"  gefördert  sei.  Oder  man  wird  doch
nicht  so  töricht  sein  zu  glauben,  daß  unsere  Einsicht  in  den  Zusammenhang ­
  des  Wirtschaftslebens  tiefer  sei  als  die  Pettys  oder
Cantillons;  man  wird  vielmehr  festzustellen  haben,  daß  alles  was
gescheite  Merkanülisten  gelehrt  haben,  genau  ebenso  richtig  und  ebenso
falsch  war  als  das,  was  Quesnay  und  Adam  Smith  zu  ihrer  Zeit
als  die  Wahrheit  verkündeten  und  daß  deren  Wissen  ebenso  tief  ging
(wenn  nicht  tiefer)  als  unseres  von  heute.
Diese  Betrachtungen  gewähren  uns  nun  aber  erst  die  Möglichkeit, ­
  mit  Sicherheit  den  Wert  einer  Leistung  auf  dem  Gebiete  der
Natur-  oder  Menschcnwissenschaft  zu  ermessen;  insbesondere  auch  zu
entscheiden:  wie  beschaffen  die  großen  schöpferischen  Geister  in  diesen
Wissenschaften  sein  müssen.  Alles  was  wir  bisher  erkannt  haben,
drängt  zu  der  Annahme,  daß  große  Leistungen  in  den  Natur-  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.