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Seltsame Kurzsichtigkeit mancher Menschen, die sichere Erkenntnis
aus dem Erlebnis durch die naturwissenschaftliche Beschreibung ersetzen
zu wollen, das heißt bei der Deutung menschlicher Handlungen die
psychologische Motivierung umgehen, die Persönlichkeit ausschalten 51t
wollen und alles menschliche Handeln in den unverstandenen und
unverständlichen Naturprozeß einordnen zu wollen; das heißt: das
einzig sichere Wissen, das wir von der Welt haben, um einer Mode
willen preiszugeben.
Im großen ganzen, wird man sagen dürfen, haben gerade im
letzten Jahrhundert die beiden Wissenschaften von der Natur und vom
Menschen immer deutlicher die ihnen spezifische Art zu erkennen ausgebildet
und sind sich dadurch immer ferner gerückt.
Was die moderne Naturwissenschaft anstrebt, ist ja doch eben
die lückenlose Ersetzung der Qualität durch die Quantität, die in
einer mathematischen Formel ihren letzten und vollkommensten Ausdruck
findet. Worauf alles ausgeht, ist, wie man sagen kann, die
Entseelung der Natur. Wo ehedem lebendige Wesen, lebendiges
Wirken angenommen wurden, da soll jetzt ein Wechselspiel toter Körper
herrschen. Aufgabe der fortschreitenden Naturerkenntnis ist es
recht eigentlich, die lebendige Seele aus den Dingen weg zu argumentieren:
der horror vacui wird durch die Erfindung des Barometers,
das Phlogiston, eine Art Feuerseelchen, wird durch die Entdeckung
des Sauerstoffs, die Theorie von der vis vivendi wird durch
die Synthese organischer Körper ans der Welt geschafft usw.
Genau umgekehrt ist die Entwicklung der „Geistes"Wissenschaften
verlaufen: in ihnen ist immer mehr die „psychologische" Methode zur
Geltung gelangt: das heißt: ist das Bestreben immer deutlicher hervorgetreten,
alle Vorgänge im Bereich der Menschengeschichte seelisch
zu motivieren. Beherrscht die Naturwissenschaften die Tendenz zur