Full text: Russlands Bankerott

zuungunsten der mittleren Bürger- wie der 
besitzlosen Klassen bedeuten; denn der Unter 
nehmer hat das Recht, den vereinbarten Lohn 
in entwertetem Geld zu zahlen, während der 
Arbeiter bei seinen Einkäufen nicht das gleiche 
tun kann, da die Preise von ihrem alten Niveau 
nur langsam Heruntergleiten. Man bezeichnet 
einen derartigen Vorgang, wodurch der Nenn 
wert des Geldes auf den tiefstehenden Kurswert 
herabgedrückt wird, als Devalvation. 
Rußland folgte dem österreichischen Bei- Rußland 1839 
spiel ein Vierteljahrhundert später, aber nicht so 
unverhüllt und aufrichtig, sondern mit geradezu 
teuflischer Arglist; selten wurde je so sehr auf 
die Dummheit eines ganzen Volkes spekuliert 
— und mit Erfolg spekuliert! — wie damals. 
Die Zahl der seit Katharina II. in den Verkehr , 
gebrachten Assignaten war im Laus der Dezennien Z •, , , ?. 
übermäßig 'gestiegen unddadurch stark im Wert 
gesunken. In einem Manifest von 1839 wurde 
nun der Silberrubel zur Münzeinheit erklärt 
und die alten Assignaten zum Silberrubel in 
das Verhältnis von 3VZ: 1 gebracht; im In 
land sollten die Assignaten weiter gelten, nach 
außen der Silberrubel, und die Reform wollte 
somit durch Schaffung einer festen Relation 
dem Agio und dem steten Schwanken der aus 
wärtigen Wechselkurse ein Ende bereiten; soweit 
war alles in Ordnung. Aber nun ersann der 
russische Finanzminister Kankrin eine Maßregel, 
die man nicht anders denn als Betrug bezeichnen 
kann. Um das Währungsmetall heranzuschaffen, 
wurde eine Depositenkasse errichtet, die alles 
Silber in Empfang nahm und dafür gedeckte 
Depotbillets mit Zwaugskurs für das ganze 
Reich ausgab. Dem Publikum wurde eingeredet, 
daß die Regierung in nächster Zeit kein Silber, 
nur solche Billets als Geld annehmen werde, 
und zu Haufen drängten sich die Leute zu den 
Kassen der Bank, um dort ihr Metall gegen die 
Scheine auszutauschen; insgesamt wurden 
37 Millionen Rubel Silber deponiert; da aber 
die Assignatensumme 595,776 Millionen Rubel
	        
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