Full text : Russlands Bankerott

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Lieben  Freunde,  es  gab  schönere  Zeiten  als  die
unsern,  das  ist  nicht  zu  streiten  (Büchmann
Seite  229).
Neue  preußische  (Kreuz-)  Zeitung,  Börsen-  Die  Kreuz
Wochenbericht  vom  30,  April:  „Man  versichert  iseitung
zwar,  daß  die  deutsche  Hanls-banque  an  der
russischen  Kriegsanleihe  nicht  beteiligt  sei.  Allein
bei  dem  internationalen  Zusammenhange  des
Großkapitals  findet  diese  Versicherung  keinen
rechten  Glauben.  Es  wäre  sehr  bedauerlich,
wenn  sich  deutsches  Kapital  bereit  finden  ließe,
dieses  finanzielle  Wagnis  mitzumachen.  Denn
ein  solches  ist  die  Kriegsanleihe  Rußlands  unter
der  heutigen  politischen  Konstellation  ohne
Frage.  Bisher  ivar  man  gewohnt,  den  gewaltigen ­
  Barschatz  des  russischen  Reiches  als
eine  Kriegsreserve  gepriesen  zu  hören,  die  in
Europa  nicht  ihresgleichen  habe.  Und  kaum
hat  der  Krieg  Rußlands  gegen  das  kleine  Japan
begonnen,  da  muß  auch  schon  die  Notenpresse
in  Petersburg  in  Bewegung  gesetzt  und  das
Ausgabenbudget  eingeschränkt  werden.  Diese
Vorgänge  können  das  Vertrauen  gu  der  russischen ­
  Finanzwirtschast  nicht  stärken,  und  selbst
die  strengste  Neutralität,  die  wir  Rußland
schuldig  sind,  darf  uns  nicht  abhalten,  dies
offen  auszusprechen.  Wenn  Frankreich  sich
moralisch  verpflichtet  fühlt,  seinem  Bundesgenossen ­
  durch  Uebernahme  einer  Notenanleihe
beizuspringen,  die  es  sich  übrigens  sehr  hoch
verzinsen  läßt,  so  ist  dagegen  nichts  einzuwenden. ­
  Neutrale  Staaten  aber  sollten  sich  —
das  ist  unsere  private  Ansicht  —  in  diesem
Falle  ausschließlich  von  ihrem  eigenen  nationalen
Interesse  leiten  lassen,  und  dieses  gebietet  uns
jetzt  mehr  als  je,  mit  unseren  Mitteln  hauszuhalten, ­
  da  wir  nicht  wissen  können,  ob  wir  sie
nicht  morgen  selbst  sehr  dringend  nötig  haben.
Wir  würden  es  also  für  unverantwortlich
halten,  wenn  sich  deutsche  Bankinstitute  jetzt
entschlössen,  ihr  eigenes  Kapital  und  das  ihrer
Klientel  in  den  Dienst  eines  zwar  befreundeten,
aber  nicht  mit  uns  verbündeten  Staates  zu
            
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