Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Kirche und Reich in der ersten Bälfte des elften Jahrhunderts. 319 
annullierte Bischöfe zu beseitigen? Nur, indem man die Laien⸗ 
welt gegen sie aufbot. Indem Humbert es aussprach, daß die 
Laien simonistischen Bischöfen den Gehorsam versagen müßten, 
schärfte er jene furchtbare Waffe der Laientumulte, deren sich 
Gregor VII. nachmals rückfichtslos bedient hat, die den Kampf 
zwischen Kirche und Reich vergiftete. 
Indes, während der Flug der Theoretiker der Reform so 
hoch ging, gelang es nach dem Tode Stephans IX. der gegne— 
rischen Partei der tuskulanischen Grafen in Rom noch einmal, 
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machen. Es war eine der Reformpartei äaußerst peinliche Über— 
raschung. Aber Hildebrand, von nun ab täglich mehr die Seele 
der Reformbewegung, wußte Rat. War die Wahl Benedikts, 
ohne deutschen Einfluß gethätigt, nicht ein Schlag ins Gesicht 
der verbrieften kaiserlichen Rechte? Das deutsche Königtum 
schien gut genug, die Reformpartei noch einmal in den Sattel 
zu setzen. Eine Gesandtschaft ging, von den Römern abgeordnet, 
uͤber die Alpen; sie forderte von der Kaiserin, daß sie für einen 
der hervorragendsten Vertreter der Reform, den Bischof Gerhard 
von Florenz, als Papstkandidaten eintrete. Harmlos geschah 
es, und eine nochmalige Wahl beförderte am 24. Januar 1059 
Ferhard als Nikolaus II. auf den Stuhl des heiligen Petrus. 
Nicht umsonst hat Nikolaus den Namen des gewaltigen 
Kampfpapstes aus dem 9. Jahrhundert angenommen: während 
seines Pontifikates beginnt unter der geschickten Geschäfts⸗ 
führung Hildebrands die Rüstung zum Streite. 
Vor allem kam es darauf an, in Unteritalien feste Stützen 
zu suchen. Es geschah, klug und richtig, nicht nach dem Vor—⸗ 
bilde Leos IX. im Gegensatz zu den Normannen, die ihrer 
Natur und Geschichte nach dem Kaisertum feindlich waren, 
sondern im Einverständnis mit ihnen. Vor allem setzte sich 
Hildebrand sofort mit dem Grafen Richard von Aversa in Ver⸗ 
bindung, der sich nach der Eroberung Capuas Fürst von Capua 
nannte; er war der nächste normannische Nachbar Roms und 
wurde nun von Hildebrand fürs Papsttum in Pflicht genommen. 
Er beseitigte im Kampfe mit den Grafen von Tusculum den
	        
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