Object : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

11.  Kap.  Trügerische  Lösungen  wirtschaftlicher  Schwierigkeiten.

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Elftes  Kapitel.
Trügerische  Lösungen  wirtschaftlicher  Schwierigkeiten.
Wir  haben  nod)  auf  einige  Reformvorschläge  einen  Blick  zu  werfen,
welche  von  ihren  Vertheidigern,  wenn  nicht  als  ein  Universalheilmittel  für  alle
socialen  Schäden,  so  doch  als  ein  wirksames  Medicament  für  die  meisten  volkswirtschaftlichen ­
  Uebel  unserer  Zeit  angepriesen  werden,  sich  aber  deffenungeachtet
als  wirkungslos  erweisen.  Von  einigen  derselben  ist  bereits  früher  die  Rede
gewesen.  Hierher  gehören:
1.  der  Malthusianismus,  d.  h.  die  Lehre,  nach  welcher  die  socialen
Leiden  durch  Verminderung  oder  wenigstens  durch  Beschränkung  der  Zunahme
der  Bevölkerungszahl  eines  Landes  beseitigt  werden.  Wir  haben  dieselbe  bereits
"n  8.  Kapitel  des  I.  Buches  beleuchtet.
2.  die  Anempfehlung  der  unbedingten  wirtschaftlichen  Freiheit, ­
  unter  welchem  Namen  sie  immer  auftauchen  mag,  ob  sie  nun  ohne
weiteres  anempfohlen  oder  in  Verbindung  mit  einer  großen  Vervollkommnung
des  Schulunterrichts  und  insbesondere  mit  der  Schaffung  zahlreicher  Fachwittelschulen ­
  als  Lösung  der  wirtschaftlichen  Frage  gepriesen  wird.  Auch  über
die  Ueberschätzung  der  Resultate  des  Unterrichts  haben  wir  uns  bereits  im
3.  Kapitel  des  I.  Buches  und  über  die  uneingeschränkte  Freiheit  des  Mitbewerbs
  im  9.  Kapitel  dieses  III.  Buches  ausgesprochen.
3.  die  Behauptungen,  daß  der  Genuß  geistiger  Getränke  die  Quelle
°Uer  wirtschaftlichen  und  socialen  Uebel  sei  und  daß  das  Heil  der  Menschheit
dom  Vegetarianismus  abhänge,  sind  derart  einseitig,  daß  es  sich  nicht
der  Mühe  verlohnt,  weiter  davon  zu  reden.
4.  die  Proclamirung  der  Productiv  gen  osse  ns  cha  ft  en  als  Panacee
ßkgen  die  Mängel  unserer  Wirtschaftsordnung.  Man  hat  es  laut  verkündet,
daß  die  Abschaffung  des  Unterschiedes  zwischen  Unternehmern  und  Arbeitern,
don  Geschäftsgewinn  und  Lohn,  indem  man  nämlich  die  Arbeiter  selbst  zu
Unternehmern  mache,  welche  ihr  Einkommen  nicht  mehr  in  Form  von  Lohn,
sondern  in  Form  von  Gewinn  beziehen,  das  Mittel  zur  Lösung  der  socialen
^doge  sei.  Ist  dem  wirklich  so  ?
Unbestreitbar  ist  ja  die  genossenschaftliche  Verbindung  von  Handarbeitern
Behufe  des  selbständigen  Betriebes  eines  Unternehmens  eine  Form  der
productiven  Organisation,  welche  sich  unter  Umständen,  aber  eben  auch  nur
unter  gewissen  Umständen,  als  Vortheilhaft  und  heilsam  erweist.  Das  ist
hauptsächlich  dann  der  Fall,  wenn  es  sich  um  Unternehmungen  handelt,  die
sich  recht  wohl  mit  einer  kleinen  Anzahl  von  Arbeitern  begnügen  können,
wenn  die  Arbeiter  in  Bezug  auf  ihre  Körperkraft  und  ihre  Geschicklichkeit  im
            
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