Full text : Das kommunistische Manifest

20

keineswegs  abschaffen,  eine  Aneignung,  die  keinen  Reinertrag  übrig  läßt,
der  Macht  über  fremde  Arbeit  geben  könnte.  Wir  wollen  nur  den
elenden  Charakter  dieser  Aneignung  aufheben,  worin  der  Arbeiter  nur
lebt,  um  das  Kapital  zu  vermehren,  nur  so  weit  lebt,  wie  es  das
Interesse  der  herrschenden  Klasse  erheischt.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  ist  die  lebendige  Arbeit  nur  ein
Mittel,  die  aufgehäufte  Arbeit  zu  vermehren.  In  der  kommunistischen
Gesellschaft  ist  die  aufgehäufte  Arbeit  nur  ein  Mittel,  um  den  Lebensprozeß ­
  der  Arbeiter  zu  erweitern,  zu  bereichern,  zu  befördern.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  herrscht  also  die  Vergangenheit  über  die
Gegenwart,  in  der  kommunistischen  die  Gegenwart  über  die  Vergangenheit.
In  der  bürgerlichen  Gesellschaft  ist  das  Kapital  selbstständig  und  persönlich,
während  das  thätige  Individuum  unselbstständig  und  unpersönlich  ist.
Und  die  Aufhebung  dieses  Verhälinisses  nennt  die  Bourgeoisie  Aufhebung ­
  der  Persönlichkeit  und  Freiheit!  Und  mit  Recht.  Es  handelt
sich  allerdings  um  die  Aufhebung  der  Bourgeois-Persönlichkeit,  -Selbstständigkeit ­
  und  -Freiheit.
Unter  Freiheit  versteht  man  innerhalb  der  jetzigen  bürgerlichen  Produktions-Verhältnisse ­
  den  freien  Handel,  den  freien  Kauf  und  Verkauf.
Fällt  aber  der  Schacher,  so  fällt  auch  der  freie  Schacher.  Die
Redensarten  vom  freien  Schacher,  wie  alle  übrigen  Freiheitsbravaden
unserer  Bourgeoisie  haben  überhaupt  nur  einen  Sinn  gegenüber  dem
gebundenen  Schacher,  gegenüber  dem  geknechteten  Bürger  des  Mittelalters, ­
  nicht  aber  gegenüber  der  kommunistischen  Aufhebung  des  Schachers,
der  bürgerlichen  Produktionsverhältnisse  und  der  Bourgeoisie  selbst.
Ihr  entsetzt  Euch  darüber,  daß  wir  das  Privateigenthum  aufheben
wollen.  Aber  in  Eurer  bestehenden  Gesellschaft  ist  das  Privateigenthnm
für  9  Zehntel  ihrer  Mitglieder  aufgehoben;  es  existirt  gerade  dadurch,
daß  es  für  9  Zehntel  nicht  existirt.  Ihr  werft  uns  also  vor,  daß  wir  ein
Eigenthum  aufheben  wollen,  welches  die  Eigenthumslosigkeit  der  ungeheuren ­
  Mehrzahl  der  Gesellschaft  als  nothwendige  Bedingung  voraussetzt.
Ihr  werft  uns  mit  einem  Worte  vor,  daß  wir  Euer  Eigenthum  aufheben ­
  wollen.  Allerdings,  das  wollen  wir.
Von  dem  Augenblick  an,  wo  die  Arbeit  nicht  mehr  in  Kapital,  Geld,
Grundrente,  kurz  in  eine  monopolisirbare  gesellschaftliche  Macht  verwandelt ­
  werden  kann,  d.  h.  von  dem  Augenblick,  wo  das  persönliche
Eigenthum  nicht  mehr  in  bürgerliches  umschlagen  kann,  von  dem  Augenblick ­
  an  erklärt  Ihr,  die  Person  sei  aufgehoben.
Ihr  gesteht  also,  daß  Ihr  unter  der  Person  Niemanden  anders  versteht ­
  ,  als  den  Bourgeois,  den  bürgerlichen  Eigenthümer.  Und  diese
Person  soll  allerdings  aufgehoben  werden.
Der  Kommunismus  nimmt  Keinem  die  Macht,  sich  gesellschaftliche
Produkte  anzueignen,  er  nimmt  nur  die  Macht,  sich  durch  diese  Aneignung ­
  fremde  Arbeit  zu  unterjochen.
Man  hat  eingewendet,  mit  der  Aufhebung  des  Privateigenthums
werde  alle  Thätigkeit  aufhören  und  eine  allgemeine  Faulheit  einreißen.
Hiernach  müßte  die  bürgerliche  Gesellschaft  längst  an  der  Trägheit  zu
Grunde  gegangen  sein;  denn  Die  in  ihr  arbeiten,  erwerben  nicht,  und
Die  in  ihr  erwerben,  arbeiten  nicht.  Das  ganze  Bedenken  läuft  auf  die
Tautologie  hinaus,  daß  es  keine  Lohnarbeit  mehr  gibt,  sobald  es  kein
Kapital  mehr  gibt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.