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Gehälter ; sie begünstigt aber in viel höherem Grade
noch die Centralisation der Vermögen in den Händen
grosser Capitalisten : Das XIX. Jahrhundert ist nicht nur
das Jahrhundert der Arbeiter gewesen, sondern man wird
es auch das Jahrhundert der Milliardäre nennen.
Die Actiengesellschaften ermöglichen in der That die
Schaffung grosser Unternehmungen durch das Zusammen
fassen kleiner Capitalien; aber weit davon entfernt, die
Zersplitterung bereits concentrierter Capitalien zu begün
stigen, zeigen sie vielmehr die Tendenz, ihre Concentration
noch zu steigern. Mit Hilfe von Actiengesellschaften
können freilich Tausende von kleinen Leuten sich an
den Geschäften des Panamacanals oder der Goldminen
Transvaals beteiligen; aber wer wollte wohl behaupten,
dass diese Verwendung, diese Ausgiessung der kleinen
Sparcapitalien eine gleichmässigere Verteilung der Ver
mögen bewirkte ? Ist nicht vielmehr ganz klar, dass die
armen Teufel von Actionären und Obligationären, die
bei ihrer Geschäftsungewandtheit allen Gefahren ausge
setzt sind und häufig alles auf eine einzige Karte gesetzt
haben, weit mehr riskieren, als die Capitalmagnaten, die
sich doch irrfmer die besten Bissen, den Löwenanteil,
sichern und immer Sorge tragen, die ungünstigen Chancen
dadurch zu neutralisieren, dass sie „nicht alle Eier in
dieselbe Schürze nehmen“ ?
Die Vermehrung der Zahl der Actionäre bedeutet
also keine Vermehrung der Zahl der Besitzenden und
noch weniger die Zerteilung der grossen Vermögen : sie
beweist nur, dass die Actienform mehr und mehr zur
herrschenden Form des Eigentums wird.*)
*) In England hat sich z. B. die Zahl der Joint Stock
Companies von 9344 im Jahre 1885 auf 25267 im Jahre 1898
vergrössert. Nach Kershaw (Joint stock enterprise and our
manufacturing industry) repräsentieren aber kaum 10 0/0 dieser
Gesellschaften neue Unternehmungen; die anderen entstanden
durch Umwandlungen von Privatunternehmungen in Actienunter-
nehmungen. (The Fortnightly Review, Mai 1900, pag. 816.)