8 6. Die gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft. „3
Zuwachsprozent der Bevölkerung gegeben, so muß dieses auch für den
ganzen Fortschritt der Wirtschaft maßgebend sein, und man kann von
einem bestimmten für die betreffende Wirtschaft charakteristischen Fort-
schrittsprozent sprechen.
Damit die Produktion mit dem so gegebenen jährlichen Fortschritts-
prozent steigt, muß offenbar das Realkapital der Wirtschaft mit dem-
selben Fortschrittsprozent wachsen. Da das Realkapital nach seiner
relativen Zusammensetzung unverändert bleibt, ist dieser Zuwachs ein-
fach als ein gleichmäßiger Zuwachs der Menge jedes einzelnen der kon-
kreten Bestandteile des Realkapitals aufzufassen. Nur durch einen
solchen Zuwachs kann das Realkapital mit der Vermehrung der per-
sönlichen Arbeitskräfte und mit den in gleichem Verhältnis wie die
Bevölkerung steigenden Ansprüchen der Bedürfnisbefriedigung gleichen
Schritt halten. Dieser Zuwachs des Realkapitals ist natürlich nur durch
eine darauf gerichtete Produktion möglich. Der Produktionsprozeß in
der hier betrachteten gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft hat also
drei verschiedene Aufgaben, nämlich:
1. die Unterhaltung und Aufrechterhaltung des Realkapitals in seinem
jeweilig gegebenen Umfang; |
2. die Vermehrung des Realkapitals um einen bestimmten Prozentsatz
im Jahre; /
3. die Versorgung der Konsumtion in einem mit der Zahl der Konsu-
menten steigenden Umfang.
Da der absolute jährliche Zuwachs des Realkapitals als eine un-
veränderliche Quote des jeweilig vorhandenen Realkapitals offenbar in
demselben Verhältnis wächst wie das Realkapital selbst, stellen alle
diese drei Aufgaben gleichmäßig gesteigerte Ansprüche an die Produk-
tion, und die Produktion verteilt sich in feststehenden Quoten auf
diese drei Aufgaben. Da die verschiedenen Produktionsmittel quan-
titativ nicht direkt vergleichbar sind, kann dieser Satz exakt nur so
ausgedrückt werden, daß die Menge von Produktivkräften, die jeder
der drei Hauptaufgaben der Produktion gewidmet wird und die nach
unseren Voraussetzungen ihrer relativen Zusammensetzung nach un-
verändert bleibt, mit dem gemeinsamen Fortschrittsprozent wächst.
In unserer fortschreitenden Wirtschaft sind demnach die Produk-
tionsmittel in jedem Augenblick in reichlicherer Menge vorhanden, als
sie für die Bedürfnisbefriedigung in dem jeweiligen Umfang derselben
zu sein brauchten. Man darf also annehmen, daß in jedem Augenblick
mit den tatsächlich aufgewandten Produktionsmitteln eine reichlichere
gegenwärtige Bedürfnisbefriedigung oder jedenfalls bei unveränderter
gegenwärtiger Bedürfnisbefriedigung eine verkürzte Arbeitszeit, eine
Herabsetzung der Anforderungen auf persönliche Arbeitsleistungen mög-
lich wäre. Die Verwendung eines bestimmten Teiles der Produktions-
mittel zu einer stetigen Vermehrung des Realkapitals bedeutet somit ein
2G