Object: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel IV. Die Anarchisten. 
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Revolution als eine unabänderliche Notwendigkeit, der man nicht ent 
gehen wird. Zu denken, daß die heutigen Privilegierten in einer 
neuen Nacht des 4. August') einwilligen könnten, ihre Privilegien 
zu opfern und auf ihren Platz im Glied in der Armee der Menschheit 
zurückkehren, würde nur Selbstbetrug sein. Und noch mehr, dies 
Ereignis würde, selbst wenn es möglich wäre, kaum wünschenswert 
sein. Das Volk, sagt Elisee Reclus, würde in seiner gewöhnlichen 
Großmut fähig sein, sich hiervon rühren zu lassen, und seinen alten 
Herren zu sagen: „Behaltet eure Privilegien“. „Nein“, ruft er aus, 
„freie Bahn der Gerechtigkeit! Damit die Dinge ihr natürliches 
Gleichgewicht wieder gewinnen, müssen die Unterdrückten sich aus 
eigener Kraft erheben, müssen die Beraubten das ihnen Geraubte 
wieder nehmen, müssen die Sklaven ihre Freiheit wieder erobern. 
Niemals werden sie sie wirklich besitzen, wenn sie sie nicht im 
offenen Kampfe erstritten haben“ 2 ). 
Man soll indessen nicht glauben, daß Bakunin, Keocotkin oder 
ihre Schüler blutdürstig wären und an der Entfesselung von Gewalt 
tätigkeiten Gefallen fänden. Nein, so unvermeidlich und von einer 
Revolution untrennbar auch das Blutvergießen sein mag, so ist es 
doch an und für sich nicht weniger abscheulich und muß auf das 
Minimum beschränkt werden. „Blutige Revolutionen sind manchmal 
infolge des menschlichen Stumpfsinnes notwendig, doch sind sie 
stets ein Übel, ein entsetzliches Obel und ein großes Unglück. Nicht 
nur wegen der Opfer, sondern auch wegen der Reinheit und Voll 
kommenheit des Zweckes, der zu verfolgen ist, und in dessen Namen 
man sie durchführt“ 8 ). „Worauf es ankommt“, sagt Kropotkin 4 ), „ist 
nicht so sehr, zu wissen, wie man die Revolution vermeiden soll, als 
die Mittel zu finden, durch die die besten Ergebnisse erzielt werden; 
wie man den Bürgerkrieg so viel wie möglich einschränken und die 
Zahl der Opfer verringern kann, indem von beiden Seiten der Kampf 
mit so wenig Erbitterung wie möglich geführt wird.“ Hierfür muß 
man zunächst auf die Instinkte des Volkes rechnen, das durchaus 
nicht blutdürstig ist, „das ein zu gutmütiges Herz hat, als daß ihm 
*) In der Nacht des 4. Ang. 1789 beschloß die Assemblee Nationale Constituante, 
die sich aus den Vertretern der drei Stände zusammensetzte, die Abschaffung aller 
Standesvorrechte und die Aufhebung der Frohndienste. (Anm. d. Übers.) 
*) L’evolution, nsw., S. 154 Khopotkin: Alle, die den Triumph der Ge 
rechtigkeit wollen, alle, die die neuen Ideen praktisch ausführen wollen, . . . ver 
stehen die Notwendigkeit eines revolutionären Sturmwindes, die diese ganze Fäulnis 
hinwegfegt, mit seinem Atem die erschlafften Herzen anfeuert und der Menschheit 
Hingabe, Selbstverleugnung, Heroismus bringt, ohne die eine Gesellschaft gemein 
wird, sich zersetzt und verfällt“ (Paroles d’un Revolte, S. 280). 
3 ) Bakunin, Sozial-politischer Briefwechsel, S. 297 und 309. 
4 ) Autour d’une vie, S. 297. 
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