Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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Kampfe kennen gelernt. Das Gold Frankreichs, das mit nicht unbe
trächtlichen Mengen des gelben Metalls der Bank von England nach
den Vereinigten Staaten von Amerika strömte, der Verkauf großer
Summen amerikanischer Effekten, bzw. deren Lombardierung für eng
lische und französische Rechnung, legten beiden Ländern hohe Verluste
auf, ohne einem von ihnen dauernden Nutzen zu stiften.
Mitte August 1915 wurden die Verhandlungen zwischen Frankreich
und England gepflogen. Mitte September reiste eine Finanzkommission
beider Staaten nach New York, um dort mit der amerikanischen Finanz
welt das geplante Anleihe-Geschäft abzuschließen. Ein amerikanisches
Banken- und Bankierssyndikat unter Führung des Bankhauses J. P.
Morgan & Co. trat mit der französisch-englischen Finanzkoramission
in Unterhandlungen. Es wurde eine Einigung zwischen beiden Gruppen
erzielt und den beiden Staaten ein Darlehen in Form einer Anleihe ge
geben. Das amerikanische Bankenkonsortium räumt ihnen einen ge
meinsamen Kredit von 500 Milk Dollars ein, über den England und Frank
reich durch Begebung von 5 % Obligationen verfügen. Die Obligationen
lauten auf Dollars. Das Bankengarantiesyndikat übernimmt diese
Anleihe-Obligationen zu 96 %, und setzt sie dann zu 98 % ab 1 ). Der
Besitzer der 5 % Obligationen hat das Recht, nach 5 Jahren die Rück
zahlung al pari zu fordern oder in die Konvertierung in einen 4% %
französisch-englischen Anleiheschein mit 10—20 jähriger Laufzeit ein
zuwilligen.
Die Höhe des nominellen Zinsfußes und der geringe, nach langwierigen
Verhandlungen erzielte Anleihebetrag sind für die befreundete und
feindliche Presse zum Teil deutliche Beweise für den erschütterten Kredit
Frankreichs und Englands im Auslande. Hierin stimmen auch vielfach
die Anschauungen in den periodischen Fachzeitschriften überein. Es
ist wahr, daß die Unterhändler ein anderes Resultat ihrer Reise erwartet
haben. Ihre Hoffnungen gingen dahin, wenigstens eine Summe von
1000 Mül. Dollars flüssig zu machen 2 ), schon deshalb, weil die Entente-
Länder den amerikanischen Lieferanten mehr als 1 Milliarde Dollars
schuldeten und durch diese Anleihe lediglich für Abdeckung ihrer Ver
pflichtungen Sorge tragen wollten. Es ist auch wahr, daß die Berechnung
des effektiven Zinses unter Berücksichtigung des Emissions-Disagios
und der Amortisation eine Zinsenlast von etwa 6 % ergibt. Englische
Zeitungen stellen sogar eine eingehende Zinskalkulation auf unter Be-
1) Koppe, a. a. O. S. 754, bezeichnet als Emissionskurs 96%, da der Verdienst
des Konsortiums auf 1% % festgesetzt sei und nach seinen Ermittlungen: „Morgaus Ver
such, noch einen Extragewinn zu erzielen, mißlang“. Die deutsche Tagespresse meldete
aber über die Kursdifferenz und Provisionssätze das folgende; Kurs der Anleihe 98 °/ 0
für den Verkehr, 96 % für das Konsortium. 1% °/ 0 Provision an das Banken-Konsortium
und Y t °/ t Provision an J. P. Morgan* Co. für die Vermittlung der Anleihe.
2 ) Nach einer Rede des neuen englischen Schatzkanzlers, McKenna, im englischen
Unterhaus, gestalteten sich die Verhandlungen „höchst langwierig und schwer“. Die Fi-
uanzkomraission forderte nach McKenna zuerst einen Kredit von 4 Milliarden Mk., dann
3>z, 2,8 und mußte sich schließlich auf 2 Milliarden Mk. einigen. (Berliner Börsen-Courier,
* r - Oktober 1915, Nr. 493, S. 2.)