Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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oft verbreiteten Lobpreisungen philanthropischer Kapita- 
listen entlehnt. Seit der Zeit hat man den Gedanken noch 
so weit verbessert, daß man die Eigenschaft eines Verwalter- 
amtes fallen ließ und das Dogma auf ein Gottesgnadentum 
beschränkte. 
Als E. H. Harriman vor einigen Jahren seine ungeheuren 
Betrügereien ausführte, behauptete sein — nebenbei 
bemerkt, sehr berühmter — juristischer Vertreter, daß 
„Harriman sich in einer geheiligten Sphäre bewege, in 
die: keinem von uns gestattet sei, einzutreten“. Und 
kürzlich, am 23. November 1912, bei der gerichtlichen 
Verhandlung in dem von der Regierung der Vereinigten 
Staaten zur Auflösung des Mähmaschinen-Trusts einge- 
schlagenen Verfahren, wurde ein von E. N. Wood, dem 
Sekretär der internationalen Mähmaschinen-Gesellschaft, 
stammender Brief vorgebracht, in dem Wood geschrieben 
hatte, daß die Bildung des Trusts sich „in Übereinstimmung 
mit der göttlichen Weltordnung“‘“ befände. 
In einem orthodoxen, religiösen Zeitalter hätte man diesen 
weitgehenden Ansprüchen auf göttliches Recht unter den 
Abergläubischen und Unwissenden mit einiger Wirkung 
Nachdruck verleihen können. Aber in dieser bilderstür- 
menden, rationalistischen Zeit sind sie mit unbändigem 
Gelächter aufgenommen worden. In einer Periode, in der 
man das Gottesgnadentum der Könige nicht ernsthaft 
nimmt, kann man nicht wohl den Geldkönigen das zu- 
gestehen, was man den erblichen Königen verweigert. 
Nur wenn man die unerträglichen Bedingungen, unter 
denen das amerikanische Proletariat zu leben gezwungen 
ist und den leidenschaftlichen Geist des Grolls und der Em- 
pörung kennt, der in großen Kreisen desselben in der "Tiefe 
glimmt und immer höher anschwillt, versteht man, warum 
die großen Magnaten, nachdem sie alle andern Methoden 
versucht haben, sich als auserwählte Statthalter der Gottheit 
erklären, in einem letzten verzweifelten Versuch, den Ver- 
stand und den Arm des Proletariats zu lähmen, indem 
sie für ihre Person und ihren Reichtum religiöse Ehrfurcht 
anrufen.
	        
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