Full text: Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Streitigkeiten und auch Schlägereien entstehen. Die neuangekom- 
menen Arbeiter werden auf die AAärkte nicht zugelassen und müssen 
weiterwandern. Ohne Arbeit und ohne Aussicht auf eine solche in 
nächster Zukunft, ohne Verköstigung, da sie den vom Hause mitgenom 
menen Proviant verzehrt haben, ohne Geldmittel und ohne Wohnungen, 
wochenlang unter freiem Himmel hausend, geraten die Arbeiter oft in 
eine so verzweifelte Stimmung, dass sie ihre Unzufriedenheit jeden Tag 
lauter ausdriicken, bis sie sich schliesslich zu offenen Revolten ent- 
schliessen. ln letzter Zeit, besonders bei den fortwährenden politischen 
Gährungen, nehmen solche Arbeitslose teil an verschiedenen Unruhen, 
Demonstrationen u. dgl. Aber auch in den früheren, ruhigeren Zeiten kam 
es ziemlich oft zu Aufständen. Sehr oft brechen diese auf den Eisenbahn 
stationen aus, wo die Arbeiter mehrere Tage auf dem Perron liegen 
und weder eine Arbeit finden, noch wegen Mangel an Geld nach Hause 
abreisen können. Da die Behörden die Arbeitslosen als unruhiges und 
politisch unerwünschtes Element betrachten, werden sie oft auf Staats 
kosten in ihre Heimat zurückgeschickt. 
Auf solche Weise gehen durch die Ungeregeltheit der Wanderung 
viele Kräfte, viel Zeit und grosse Geldmittel verloren. Nach einigen 
Berechnungen soll der Geldwert des Zeitverlustes der vergebens wandernden 
Arbeiter — angenommen, dass der Tagelohn im Durchschnitt 25 Kop. 
beträgt — nicht weniger als vier Millionen Rubel erreichen. Trotz aller 
dieser ungeheuerlichen Zustände sowohl auf der Wanderung wie auch 
auf den Arbeitermärkten, trotz des Schadens, denn dieses Chaos den 
Arbeitgebern verursacht, haben weder die letzten noch die Regierung 
Massnahmen ergriffen, um die Wanderung der Hunderttausende zu 
regulieren. Es sind keine Arbeitsnachweise, keine Arbeitsbureaus vorhanden, 
auch fehlt es überhaupt an zuverlässigen und zeitigen Nachrichten über 
die Ernteaussichten. Zwar diskutiert man über verschiedene Massnahmen 
sehr viel auf allen Kongressen der Landwirte, in allen Semstwos, aber 
es ist bis jetzt entweder zu unzweckmässigen oder zu gar keinen Mass 
nahmen gekommen. Das Wenige, das für die Regulierung und Ver 
besserung des ländlichen Arbeitsmarktes geschehen ist, hat man den 
Semstwos zu danken. Sie waren es — die Semstwos vom Gouv. Cherson 
und Samara allen voran —, die die sog. Naturalverpflegungsstationen 
errichtet haben. Von diesen Anstalten haben wir schon gesprochen. 
Hier sei nur bemerkt, dass auch diese das Bedürfnis nach einer 
Regulierung der Wanderungen sowohl aus anderen Gouvernements, 
als auch innerhalb Neurusslands nicht befriedigen und auch nicht be 
friedigen können.
	        
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