Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Kapitel  VII.
Der  Arbeitsvertrag.
Die  Beziehungen  zwischen  Arbeitgeber  und  Lohnarbeiter.
!m  engen  Zusammenhänge  mit  dem  chaotischen  Zustande  des
Arbeitsmarktes  in  den  neurussischen  Gouvernements  stehen  auch  die
meistens  sehr  unfreundlichen  Beziehungen  zwischen  dem  Arbeitgeber  und
den  Arbeitern  und  viele  Eigentümlichkeiten  des  Arbeitsvertrages.
Jetzt  wird  der  Arbeitsvertrag  in  der  Regel,  einige  entferntere
Gegenden  ausgenommen,  auf  dem  Arbeitermarkte  selbst  abgeschlossen.
Dagegen  wurden  früher  von  dem  Arbeitgeber  andere  Mittel  angewandt,
um  sich  Arbeitskräfte  möglichst  sicher  und  billig  zu  verschaffen.
Vor  10  15  Jahren  war  es  bei  den  neurussischen  Gutsherren
üblich,  die  Arbeiter  im  Winter  durch  Agenten  anzuwerben.  Die  Agenten
kamen  in  der  Zeit,  wenn  die  Lage  der  Bauern  in  den  südwestlichen
oder  Zentral-Gouvernements  am  schwierigsten  war.  Im  Herbst,  wenn
die  Bauern  alle  Abgaben  und  Steuern  und  die  Rückstände  von  den
Ablösungszahlungen  zu  zahlen  haben,  brauchen  sie  am  dringendsten
Geldmittel.  Sie  verkaufen  entweder  das  Getreide  zu  billigeren  Preisen
oder  verdingen  sich  als  Lohnarbeiter,  nur  um  bares  Geld  zu  gewinnen.
Da  waren  die  Agenten  aus  den  neurussischen  Gouvernements  sehr  willkommen. ­
  Sie  gaben  immer  eine  gewisse  Summe  bares  Geld  als  Vorschuss ­
  und  verstanden  die  Bauern  als  Lohnarbeiter  für  die  südrussischen
Güter  durch  verschiedene  Kontrakte  zu  binden.  Es  versteht  sich  von
selbst,  dass  die  Bauern'  in  solchen  Fällen  eine  niedrigere  Summe  bekamen, ­
  als  wenn  sie.  sich  im  Sommer  am  Arbeitsorte  hätten  verdingen
können.  Die  Löhne  kamen  auf  solche  Weise  dem  Gutsherrn  anderthalbmal
  billiger.
Die  grossen  Gutswirtschaften  schickten  ihre  Agenten  in  verschiedene
Gouvernements  (Kiew,  Polfawa,  Tschernigow,  Podolien,  Minsk  u.  a.  m.),
um  mit  Hilfe  der  Altmänner  und  Gemeindeschreiber  Arbeiter  anzuwerben.
Dies  geschah  folgenderweise:  Vor  allem  bekamen  die  Altmänner  und
Gemeindeschreiber  Essen  und  Trinken,  dann  riefen  sie  die  Bauern  zusammen, ­
  die  viel  Rückstände  schuldig  waren.  Es  wurde  ihnen  vorgeschlagen, ­
  sich  an  die  und  die  Gutswirtschaften  in  den  südrussischen
            
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