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steht zu befürchten, daß überhaupt das Geschäft der Ostseestädte noch mehr ge
schädigt wird, namentlich der Getreide- nnd Holzhandel, dessen Gedeihen zum
großen Tbeil den leichten Bezügen auS Rußland zuzuschreiben ist. Mit diesen
Handelszweigen leiden aber alle die mit ihr zusammenhangenden, so namentlich
dir Ostsee Rhederei, die sich in ihrem Betrieb, wegen der geringen Größe ihrer
Schiffe, nahezu ausschließlich auf den Verkehr zwischen Ost- und Nordsee beschränkt.
Für Letzteren wirkt die Konkurrenz bei dem jetzt veränderten bezw vermehrten
Bezug der Zufuhren aus fernen, auch überseeischen Häfen, seitens der größeren,
meistens englischen Schiffe erdrückend."
H). Provinz Uteļìfulen.
Handelskammer zu Bielefeld.
„Ein hochbedeutsainer Systemwechsel charakterisirt die deutsche Wirthschafts
politik des verflossenen Jahres. Die Bahnen des Hochschutzzolles, wie er insbesondere
auf agrarischem Gebiete seit zwölf Jabren platzgegriffen batte, sind verlassen und
dafür einer freieren Gestaltung des internationalen Handelsverkehrs die Wege ge
öffnet. Die Handelskammer bat den diesbezüglichen Vorgängen in ihrem vor
jährigen Bericht eine eingebende Besprechung gewidmet und ihrer lebhaften Zu
stimmung zu den seitens der Reichsregierung mit den auswärtigen Mächten ge
führten Handelsvertragsverhandlungen Ausdruck verliehen. Wie bekannt, bethätigte
die Kammer auch praktisch ihr Interesse an den Bestrebungen der Regierung, in
dem sie gegenüber den Agitationen solcher Kreise, welche eine Hcrabminderung
der deutschen Schutzzölle um jeden Preis zu verhindern suchten, zur Stärkung der
Position der Reichsregieruug eine lebhafte Gegenbewegung in'S Leben rief.
„Die speciellen Wünsche der einzelnen Wirthschaftszweige ihres Bezirks bezüg
lich der Neuregelnug der deutschen Handelsbeziehungen zu den einzelnen Ländern
hat die Kammer in eingehenden Berichten an den Reichskanzler vertreten. Wie die
abgeschlossenen Verträge ergeben, haben die Interessen unseres Bezirks in denselben
mehrfach, wenn auch nicht immer in dem Maße, wie wir es wünschten, Berück-
sichtigung gefunden. Es sind in dem deutsch-österreichischen Vertrage für
die Einfuhr nach Oesterreich unsern Bezirk iuteressirende Tarifermäßigungen ein
getreten für eine Reihe von Erzeugnissen der Baumwvllweberci. der Seidenindustrie
und Leinen- und Wäsche-Fabrikation (insbesondere Einsätze), für eine beträchtliche
Menge von Fabrikaten der Metallindustrie < darunter Nähmaschinen), für einzelne
Chemikalien, für Erzeugnisse der Papier- und Glasindustrie, für Klaviere und
Pianinos ». s w. Weiterhin ist für eine sehr große Zahl österreichischer Tarif
positionen in dem Vertrage die Bindung stipulirt, was zur Folge hat, daß die
deutsche Exportindustrie auf einen Zeitraum von 12 Jahren vor der Gefahr öster
reichischer Zollcrböhungen geschützt ist.
„Italien ermäßigte seinen Generaltarif für Flachsgarne, Leinen-, Baumwoll-
und Wollgewebe, einige Artikel der Seidenindustrie, der Metallbranche u. s. w.
Ferner wurde auch in diesem Vertrage Bindung einer größeren Zahl von Tarif-
positioneu.
„Der deutsch-belgische Vertrag hat für die Industrie unseres Bezirks
geringeres Interesse, er enthält in der Hauptsache nur Bindung bestehender Sätze.