Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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Produktionsmittel nach Westindien steigerte und so im letzten 
Grunde das kommerzielle Übergewicht Grofsbritanniens erhöhte. 
Der 1774 ausbrechende Aufstand der Nordamerikaner und 
die dadurch verursachte wirtschaftliche Krisis in Britisch- 
Westindien legten Bresche in diesen Zusammenhang. Je mehr 
Sklaven England an die französischen und spanischen Kon 
kurrenten verkaufte, um so besser wurden jene in den Stand 
gesetzt, den britischen Zuckerproduzenten Konkurrenz zu bieten. 
Jeder in die ausländischen Inseln gehandelte Neger stärkte 
deren produktive Kraft und verschob die an sich schon 
mifsliche kolonialpolitische Lage immer weiter zu Englands 
Ungunsten. Der Einwand, dafs England an dem wachsenden 
Reichtum der fremden Pflanzer infolge ihres Randes mit den 
Nordamerikanern einen Gewinnanteil hätte, galt nicht mehr; 
denn Nordamerika war selbständig. Höchstens noch in privat 
wirtschaftlicher Hinsicht konnten diese Sklavenlieferungen vor 
teilhaft genannt werden ; vom volkswirtschaftlichen Standpunkt 
aus aber nicht. Der Earl of Moira kennzeichnete ihren 
Charakter trefflich mit den Worten: „Slaves are raw material. 
It has always been considered as highly impolitic to export 
to foreign states any raw material from this country, which 
was afterwards to be worked up into manufactured articles!“ 
(H. o. L. 7. V. 1806). — 
Es hat lange gedauert, bis diese Erkenntnis Allgemein 
gut der britischen Nation geworden ist. Frühe Spuren finden 
sich bereits 1784 bei J. Ramsay, der sie in seiner Abolitions 
schrift „Inquiry into the slave trade“ als Agitationsmittel ver 
wendet. Er schreibt S. 20/21 : „It is a notorious fact, that a 
considerable proportion of our African trade has been directed 
to the supply of the French colonies .... and that the im 
provement arising thence .... threatened to bring our existence 
as a naval power to an end!“ Gegen Ende der 1780er Jahre 
waren bereits Pitt, Fox, Wilberforce und andere hervorragende 
Politiker von Zweifeln an der Nützlichkeit des Handels erfüllt. 
In dem Report 1789 (V. C. Nr. 5) spielt z. B. die Frage: 
Do not the French purchase from our trades a great pro 
portion of the negroes they want, and do not they pay a 
higher price for them? eine wichtige Rolle. 
Trotz der Schwierigkeiten, welche die Gesetzgebungen 
den britischen Sklavenimporten auferlegten, gingen von den 
38000 Afrikanern, welche England jährlich über den Ozean 
verschickte, bei weitem der gröfsere Teil in die ausländischen 
Kolonien. Den Hauptstrom der schwarzen Einwanderer nahmen 
die spanischen, holländischen, dänischen und französischen 
Inseln auf. Die ausländischen Inseln vermehrten ihre Pro 
duktion, versorgten einen wachsenden Teil Europas mit ihren 
Kolonialwaren und nahmen an Wohlstand zu, während die 
britischen ihrer teureren Preise wegen nur noch im Mutter-
	        
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