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so meint man damit in erster Linie, daß er jeder
zeit Gold ankauft. Wenn jemand in Oesterreich-
Ungarn ein Kilogramm Gold besitzt, kann er
jederzeit bei der österreichischen oderungarischen
Münze 3274 K in Goldmünzen österreichischer
oder ungarischer Prägung erhalten, oder bei der
österreichisch-ungarischen Bank 3278 K in Noten.
Uiese Differenz von 4 K stellt eine Art Prämie
dar, welche dazu dient, die Verkäufer von Gold
zu veranlassen, lieber Noten statt Goldmünzen
zu akzeptieren. Sie dient der Gold-
sammlungspolitik der Notenbank.
Wenn man aber für ein Kilogramm Gold immer
a uf Grund gesetzlicher Bestimmungen einen be
stimmten Preis ausbezahlt erhält, so bedeutet das,
daß in Wien oder in Budapest auf dem Gold-
^arkt der Preis des Kilogramm Goldes nicht
Unter 3278 K sinken kann. Denn wer würde einem
änderen das Kilogramm Gold unter 3278 K ab-
Seben, wenn er von der Notenbank 3278 K er
hält? Der Staat kann so den Goldpreis konstant
^halten, wie er etwa den Eisenpreis, den Rohöl-
Preis oder den Preis irgend einer anderen Ware
konstant erhalten könnte.
Derartige Maßnahmen, um irgend welche
Preise konstant zu erhalten, sind zu allen Zeiten
[^gekommen, es fragt sich immer nur in wessen
'uteresse. Alle derartigen Vorkehrungen sind zu
weilen von erheblicher kriegswirtschaftlicher und
Unlitärwirtschaftlicher Bedeutung. Die Chinesen
haben in alten Zeiten z. B. den Reispreis kon
tant zu erhalten gesucht. Der Reis ist dort das
hlauptnahrungsmittel und die Konstanterhaltung
de s Reispreises daher von erheblicher gesellschaft-
ucher Wichtigkeit. Durch die Preisregulierung
konnte die Regierung einerseits den Reisbauern
hälfen, andererseits den Reiskonsumenten. Wenn
här Reispreis erheblich sank, und die Reisbauern
|u Gefahr kamen, kaufte die Regierung solange
“eis an, bis sie den Preis genügend gehoben
hatte und lagerte die Frucht in Speichern ein, die
teils für Provinzen, teils für das ganze Reich be
nimmt waren. Stiegen die Preise sehr an, so
^Urde Reis aus den Reichs-Reispreis-Ausgleichungs-
s Peichern wieder abgegeben.
Eine solche Preisausgleichung ist natürlich
p dr dann möglich, wenn gute mit schlechten
Cr oten in mäßigen Zwischenräumen abwechseln.
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Oe ähnliche Einrichtung bestand um die Mitte
s 19. Jahrhunderts in Paris. Um den Brotpreis
'onstant zu erhalten, wurde eine Zwangskasse
für
die Bäcker errichtet. Wenn der Mehlpreis
| J. ied rig war, mußten die Bäcker einen Teil des
| ^Winnes in die Kasse abführen. Dafür erhielten
Sie
wieder einen Zuschuß aus der Kasse, wenn
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Mehlpreis hoch war und sie dennoch das
r °l zum alten Preis abgeben mußten.
„ Die Regierung des brasilianischen Staates
, ‘ Paolo hat in der jüngsten Zeit die Kaffeepreise
l ? Interesse der Produzenten beeinflußt, indem
le große Kaffeemassen einlagerte und dann suk-
pässive verkaufte. Wir sehen, daß es in all diesen
a Uen darauf ankam, Reservoirs zu schaffen, im
ersten und dritten Fall aus Naturalien, im zweiten
aus Geld bestehend. Was man in solcher Art beim
Reispreise oder dem Kaffeepreise tun kann, ver
mag man natürlich auch beim Goldpreise zu tun
Für den internationalen Zahlungsverkehr ist die-
Konstanz des Goldpreises in österreichischen oder
ungarischen Kronen von erheblicher Wichtigkeit.
Wenn nämlich der Preis des Kilogramm Goldes
konstant ist, dann ist auch der Preis konstant,
den die österreichisch-ungarische Bank für deut
sche Mark, französische Franken und andere Gold
münzen zahlt. In 2790 Mark ist ebenso ein Kilo
gramm Feingold enthalten, wie in 3280 Kronen
österreichischer oder ungarischer Goldmünzen —
wer ein Kilogramm Gold verkauft, erhält weniger,
weil die sogenannte Prägegebühr abgezogen wird,
die für die österreichisch-ungarische Bank 2 Kronen
für die österreichische und ungarische Münze
6 Kronen beträgt. Besitzt jemand 2790 Mark in
Gold, die nicht abgenützt sind, so weiß er, daß er
für dieselben 3278 Kronen bei der österreichisch
ungarischen Bank in Noten oder 3274 Kronen
bei der Münze in Gold erhält. Die Tatsache der
freien Ausprägung von Gold sichert also der
deutschen Mark in Gold einen bestimmten Preis
in Kronen, solange die diesbezüglichen gesetz
lichen Bestimmungen gelten. Diese Preiskonstanz
ist nicht etwas der Goldmaterie Eigentümliches,
sondern ein Produkt der Gesetzgebung. In der
selben Weise, wie Oesterreich-Ungarn deutsche
Goldmünzen als Gold ankauft, kauft nun Deutsch
land österreichische und ungarische Goldmünzen an.
Praktisch stellt sich die Sache aber ein wenig
anders; wenn ein Deutscher in Oesterreich-Ungarn
eine Zahlung im Betrage von 3278 Kronen zu
leisten hat, da genügt es nicht, wenn er 2790
Mark in Gold besitzt.
Dieser Betrag würde ihm die 3278 Kronen
erst dann verschaffen, wenn er sich bei einem
Gold kaufenden Schalter der österreichisch-unga
rischen Bank befände. Nun lebt er aber in Berlin.
Er müßte daher das Gold in ein Kistchen packen,
müßte die Versandspesen in Rechnung stellen,
ebenso die eventuelle Versicherungsprämie und
da der Transport auch einige Zeit dauert, den in
zwischen erlittenen Zinsenverlust.
Dabei hätte er darauf zu achten, daß die
Goldmarken nichtabgenützt sind. Denn während im
nationalen Verkehr auch Mark gelten, die abge
nützt sind — sie verhalten sich dann ähnlich wie
Zeichengeld — gelten im internationalen Verkehr
nur solche für voll, die keinen Gewichtsverlust
aufweisen.
In Wirklichkeit wird der größere Teil der
Zahlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und
Deutschland aber nicht in der Weise erledigt, daß
man Gold effektiv verschickt, sondern mit Hilfe
von Devisen. Der Deutsche kauft in Berlin eine
auf Wien lautende Devise. Diese Devise kann
verschieden im Preis stehen. Kommt sie höher
als der effektive Goldversand, dann würde'man
diesen vorziehen, d. h., so lange die Deutschen