Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Erster Teil. 
Deutsche Volkswirte, Kaufleute 
und Industrielle. 
1. Zakob Fugger. 
Von Richard Ehrenbcrg. 
Lhrcnberg, Das Zeitalter der Lugger, p Bd. Jena, Gustav Fischer, >896. S. 87—88 
und S. ps—*20. 
Jakob Fugger war, als er Kaufmann wurde (1473), erst 14 Jahre alt. Er 
erlernte den Lande! gleich vielen anderen jungen Oberdeutschen jener Zeit in dem großen 
Kaufhause der Deutschen zu Venedig, dem Fondaco dci Tedeschi, in dem seine älteren 
Brüder Ulrich und Georg ein ständiges Lager unterhielten. Sodann trat er als Teil 
haber ein, und die drei Brüder führten das Geschäft längere Zeit gemeinsam, verein 
barten auch untereinander, daß ihre Erben und Nachkommen vom Mairnesstamme ihr 
Vermögen unzerteilt im Laitdel lassen, die Töchter dagegen mit Leiratsgütcrn ab 
gefunden werden sollten, „auf daß der Fuggerischc Lande! in alle Wege un- 
zerteilet bleibe." Dieser Grundsatz wurde dann, so lange das Laus blühte, nach 
Möglichkeit festgehalten und erst nach dem Schmalkaldischcn Kriege aufgegeben. Von 
den drei Brüdern starb zuerst Georg im Jahre 1506, vier Jahre später auch Ulrich, 
worauf Jakob, der selbst keine Kinder hatte, seine Neffen Lieronymus, Ulrich, Raymund 
und Anton als Teilhaber in die Landlung aufnahm, die er unter der Firma „Jakob 
Fugger und Gebrüders Söhne" bis zu seinem Tode weiterleitete. 
Um das Jahr 1525 waren die Fugger unbestritten die bei weitem gcwalttgste 
Gcldmacht ihrer Zeit geworden. Ihre Geschäftsbeziehungen reichten von Ungarn und 
Polen bis Spanien, von Antwerpen bis Neapel. Wie der zeitgenössische Augsburger 
Chronist Klemens Sender es ausdrückt: „Jakob Fuggers und seiner Bruder Söhne 
Namen sind in allen Königreichen und Landen, auch in der Leidenschaft bekannt 
gewesen. Kaiser, Könige, Fürsten und Lerren haben zu ihm ihre Botschaft geschickt, 
der Papst hat ihn als seinen lieben Sohn begrüßt und umfangen, die Kardinäle sind 
vor ihm aufgestanden. Alle Kaufleute der Welt haben ihn einen erleuchteten Mann 
genannt, und die Leiden sich ob ihm verwundert. Er ist eine Zierde des ganzen 
deutschen Landes gewesen." 
Mollat. Volkswirtschaftlicher Lesebuch. 
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