Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

evangelischer  Seite  begründet  worden  sind.  Die  älteren  Bildungen  dieser
Art  sind  als  eigentliche  Berufsvereine  deshalb  nicht  anzusprechen,  weil
sie  den  Berufsunterschied  nicht  berücksichtigen.  Später  hat  man
diesem  Unterschiede  durch  Bildung  von  Fachabteilungen  (Fachsektionen)
Rechnung  getragen.  In  der  neuesten  Zeit  haben  sich  eigentliche  Berufsvereine ­
  auf  „christlich  sozialer“  Grundlage  ohne  Betonung  konfessionellen ­
  Charakters  gebildet,  zuerst  (1894)  unter  den  Bergarbeitern
in  Dortmund,  später  für  verschiedene  andere  Berufe,  insbesondere  für
die  Textilindustrie.  Diese  Vereine  sind  besonders  in  West-  und  Süddeutschland ­
  vorhanden.  Der  größte  Teil  der  Vereine  gehört  dem
„Gesamtverband  der  christlichen  Gewerkschaften  Deutschlands“  an.
Am  1.  April  1903  zählte  der  Verband  20  Gewerkvereine  mit  977  Ortsgruppen ­
  und  84652  Mitgliedern.  Dem  Verbände  waren  nicht  angeschlossen ­
  10  Vereine  mit  945  Ortsgruppen  und  105248  Mitgliedern.
Im  ganzen  waren  also  am  1.  April  1903:  30  christliche  Gewerkvereine
mit  1922  Ortsgruppen  und  189  900  Mitgliedern  vorhanden.  Sie  hatten
1902:  823864  M.  Einnahmen,  633719  M.  Ausgaben  und  am  31.  Dezember
1902:  572  649  M.  Gesamtvermögen,  davon  in  der  Hauptkasse  464  715  M.
Außerdem  gibt  es  noch  eine  Reihe  von  Berufsvereinen,  die  keiner
der  vorstehenden  Gruppen  zuzurechnen  sind  und  sich  auch  keinem  der
genannten  Verbände  angeschlossen  haben.  Die  Zahl  solcher  „unabhängig
organisierten“  wird  auf  einige  50  000  geschätzt.
Im  ganzen  sind  hiernach  in  Arbeiterberufsvereinen  Ende  1903
organisiert  etwa  1,2  Mill.  deutsche  Arbeiter.
In  Frankreich  ist  —  wie  im  §  1  gezeigt  ist  —  die  Bildung  von
Berufs  vereinen  erst  durch  das  Gesetz  ;vo ffl  21.  März  1884  gesetzlich
anerkannt  und  geregelt  worden.  Die  Bildung  solcher  Fachvereine,
die  mit  dem  Namen  Syndicats  professioneis  bezeichnet  werden,  hat  sich
seitdem  in  raschem  Tempo  vollzogen,  und  zwar  haben  sowohl  die  Arbeiter, ­
  als  auch  —  wie  später  noch  genauer  zu  erwähnen  sein  wird  —
die  Arbeitgeber  von  der  Möglichkeit  der  Fachvereinsbildung  Gebrauch
gemacht  in  Industrie  und  Handel  wie  in  der  Landwirtschaft.  Außerdem ­
  hat  sich  eine  nennenswerte  Zahl  gemischter,  Arbeitgeber  und
Arbeitnehmer  umfassender  Syndikate  gebildet.  Die  Fachvereine  haben
sich  ihrerseits  zu  Fachverbänden  (Unions  de  syndicats)  zusammengeschlossen ­
  für  engere  Bezirke  und  für  das  ganze  Land.  In  Industrie
und  Handel  waren  vorhanden:
1884  .  •  68  Arbeitersyndikate  1899  .  .  .  2658  Arbeitersyndikate
1890  .  .  1006  „  1903  (Anfang)  8934  „
1895  .  .  2163
Die  Mitgliederzahl  der  3934  gewerblichen  Arbeitersyndikate  von
Anfang  1903  war  643  757,  wovon  auf  Verkehrs-  und  Handelsgewerbe
176  356,  auf  Metallverarbeitung  87  692,  Bergbau  68  900,  Textilindustrie
            
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