Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

5.  Kapitel.  Träger  und  Organe  der  Sozialpolitik.  59

Wien  um  Begründung  eines  dauernden  Gewerbehygienischen  Museums,
also  einer  Veranstaltung,  die  einen  Teil  dessen  umfaßt,  was  in  einem
sozialen  Museum  im  weiteren  Sinne  des  Wortes  zu  berücksichtigen
sein  würde.  Erfolg  hatten  seine  Bemühungen  erst  1889.  Das  Gewerbehygienisch ­
  e  Museum  in  Wien  ist  aus  privater  Anregung
hervorgegangen  und  wird  —  allerdings  unter  behördlicher  Förderung
■—  aus  Privatmitteln  unterhalten.  In  demselben  Jahre  wurde  auch
der  Keim  zu  den  sonstigen  wichtigsten  hierhergehörigen  Veranstaltungen ­
  gelegt.  Mit  der  Pariser  Weltausstellung  von  1889  war  wiederum ­
  eine  Abteilung  für  Arbeiterwohlfahrt  verbunden,  und  es  tauchte
der  Gedanke  auf,  diese  Ausstellungsabteilung  dauernd  zu  erhalten.
1890  bildete  sich  zu  dem  Zwecke  ein  besonderer  Ausschuß,  der  die
Sammlung  vervollständigte  und  sie  1892  der  Staatsregierung  übergab.
Durch  Bereitstellung  eines  Gebäudes  und  erheblicher  Geldmittel  seitens
des  Grafen  Chambrun  im  Jahre  1892  wurde  es  möglich,  das  Musee
social  zu  Paris  als  ständige  Einrichtung  auszubauen.  Dieses  Institut ­
  hat  durch  Sammlung  einschlägigen  Materials  aus  allen  Ländern,
durch  Anregung  umfassender  Untersuchungen  über  sozialpolitische
Fragen  eine  ausgedehnte  Tätigkeit  entfaltet,  die  mit  Recht  vielseitige
Anerkennung  gefunden  hat.  Neuerdings  ist  die  Errichtung  eines
ähnlichen  Museums  in  Lyon  und  in  anderen  Industriezentren  Frankreichs
von  privater  Seite  angeregt.  Außerdem  hat  der  Gemeinderat  in  Paris
1903  ein  kommunales  Arbeiterwohlfahrtsmuseum  in  Aussicht  genommen.
Im  Jahre  1889  wurde  in  Amsterdam  die  Begründung  eines  Museums
für  Unfallverhütung  angeregt.  Vorerst  kam  es  aber  nicht  dazu.  Zehn
Jahre  später  wurde  der  Gedanke  in  erweiterter  Form  aufgenommen
und  ein  soziales  Museum  in  Amsterdam  errichtet.
In  Deutschland  war  schon  1886  im  Anschluß  an  die  Hygieneausstellung ­
  zu  Berlin  von  1883  ein  Hygienemuseum  gegründet.  1887
richtete  das  Reichsversicherungsamt  eine  Sammlung  für  Unfallverhütung ­
  ein.  1889  fand  eine  Ausstellung  für  Unfallverhütung  statt,
die  in  besonderem  Maße  dazu  beitrug,  den  Gedanken  an  eine  ständige
Arbeiterwohlfahrtsausstellung  zu  verbreiten.  Schon  ein  Jahr  später
ist  vom  Reichsversicherungsamt  im  amtlichen  Aufträge  eine  Denkschrift ­
  über  die  Begründung  eines  Arbeiterschutz-  und  Wohlfahrtsmuseums ­
  ausgearbeitet.  Sie  ist  namentlich  deshalb  von  Bedeutung,
weil  sie  die  Aufgabe  des  Museums  über  den  eigentlichen  Arbeiterschutz ­
  hinaus  erstreckte.  In  verschiedenen  deutschen  Einzelstaaten
wurden  in  den  folgenden  Jahren  durch  die  Gewerbeaufsichtsorgane
Arbeiterwohlfahrtssammlungen  angelegt.  Zu  einer  entsprechenden,
festgefügten  und  wohlorganisierten  Veranstaltung  für  das  Reich  kam
es  vorerst  nicht.  Inzwischen  wurde  1891  die  Zentralstelle  für  Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen ­
  errichtet  durch  verschiedene  Vereine,  die
            
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