Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

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waren  in  älterer  Zeit  aus  Hanf.  Dies  Material  wurde  bald  zu
teuer;  dann  nahm  man  Eisenketten,  bei  denen  aber  infolge  des
grossen  Eigengewichtes  die  Gefahr  des  Zerreissens  sehr  gross
war.  Darauf  verwendete  man  die  1834  zu  Klausthal  erfundenen
Drahtseile  und  zwar  Eisendrahtseile 1 ).  Später,  seit  Mitte  der  1860er
Jahre,  ging  man  zu  Gussstahldrahtseilen  über.  Diese  haben  nämlich ­
  ein  bedeutend  geringeres  Seilgewicht,  womit  die  tote  Last
und  der  Anteil  von  Kohle  und  Dampf  an  den  Betriebskosten
verringert  wird.  Ausserdem  sind  Gussstahldrähte  bei  gleicher
Stärke  mehr  als  doppelt  so  tragfähig  wie  Eisendrähte.  Aus  diesen ­
  Gründen  werden  seit  1895  im  Ruhrgebiete  keine  Eisendrahtrundseile ­
  mehr  benutzt 1  2 ).  Die  Ausgaben  für  Förderseile  spielen ­
  im  Grubenhaushalte  eine  grosse  Rolle,  die  Summen  sind  oft
doppelt  bis  dreifach  so  hoch  wie  die  für  Dampfkessel 3 ).  Bei  dem
grossen  Bedarfe 4  5 )  an  Förderseilen  ist  ihr  Preis  sehr  wichtig.  Da  ist
es  nun  interessant,  dass  aus  den  Reiben  der  Bergbauunternehmer
mitgeteilt  wird,  dass  seit  Gründung  des  Drahtsyndikats  die  absoluten ­
  Seilkosten  sich  erhöht  haben  6 ).  Für  die  Preispolitik  a  nderer
  Syndikate  und  ihre  Folgen  hat  man  einen  sehr  scharfen
Blick.  Die  ökonomischen  Leistungen  der  Seile  sind  bedingt
durch  die  Masse  der  Kohle,  die  Tiefe  der  Schächte  und  die
Geschwindigkeit  der  Förderung.  Und  zwar  nimmt  bei  gleicher
Geschwindigkeit  und  gleicher  Fördermenge  mit  zunehmender  Tiefe
die  Leistung  ab.  So  hoffte  Zeche  Preussen,  Schacht  II  °)  unter
Zugrundelegung  einer  mittleren  Fördergeschwindigkeit  von  10  m
pro  Sekunde  bei  der  vorhandenen  Nutzlast  von  4400  kg  mit
jedem  Zuge  zu  fördern  aus  einer  Teufe  von:
t  pro  Stunde:
600  m  198
800  »  158
1000  »  132
1200  »  112
1)  Entw.  Bd.  V.  251.  2)  1.  c.  274.
3)  Wenderoth,  Ueber  Schachtförderseile  und  Seilkosten.  Preuss.  Ztschr.  1886.  B.  314.
4)  Dieser  Bedarf  ist  noch  grösser,  wenn  mit  den  Seilen  ausser  Kohle  etc.  auch
Menschen  gefördert  werden.  Seit  1872  besteht  für  den  O.B.B.  Dortmund  eine  Statistik ­
  der  Schachtförderseile.  Hiernach  wurden  1872  bis  Ende  1899  6461  Förderseile
abgelegt.  Im  Jahre  1872  waren  von  den  114  abgelegten  Seilen  22  =  19,3  %  plötzlich ­
  gerissen.  1899  dagegen  von  388  nur  2  =0,52  °/ 0 .  Man  sieht,  wie  die  Verbesserung ­
  in  der  Struktur  der  Seile  ,  die  Verbesserung  in  den  Betriebseinrichtungen,  sowie ­
  die  Prüfung  der  Seile  gewirkt  hat.
5)  Entw.  Bd.  V.  277.
6)  Entw.  Bd.  V.  407.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  2
            
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