Full text : Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages

3i

Sie  waren  in  ihrer  Form  4eckig;  zu  dem  runden  Schachte  griff
man  erst  Anfang  der  1870  er  Jahre.  Wie  es  in  unseren  Tagen
mit  diesen  Verhältnissen  bestellt  '  ist,  zeige  folgendes:  Um  die
Wende  des  letzten  Jahrhunderts  betrug  der  Gesamtflächeninhalt
aller  Schächte  Westfalens  5770  qm,  d.  i.  13,67  qm  als  Durchschnitt ­
  pro  Schacht  =  4,18  m  durchschnittlicher  Durchmesser,
auf  Rundschacht  berechnet.  Die  grösste  Schachttiefe  aber  war
774  m  (Monopol,  Schachtanlage  Grünberg).
Ehe  ich  zu  einer  Schilderung  der  Kosten,  die  solche  Schachtanlagen ­
  verursachen,  übergehe,  muss  ich  der  Technik  des  Schachtabteufens ­
  noch  einige  Worte  widmen,  und  zwar  soll  die  Methode
der  Herstellung  der  Schächte  und  die  Methode  ihres  Ausbaues  *)
wegen  des  engen  Zusammenhanges  ungetrennt  dargestellt  werden.
Unter  normalen  Verhältnissen,  also  bei  festem  wasserlosen
Gebirge  findet  das  »Schachtabteufen  von  Hand«  statt.  Die  mehr
oder  minder  unterstützte  Hand  der  Menschen,  der  Schachthauer,
teuft  den  Schacht  ab.  Der  Ausbau  bei  dieser  Methode  kann
sein  aus  Holz,  Eisen  oder  aus  Ziegelsteinen.  Bei  der  Zimmerung
findet  der  Ausbau  mit  der  uns  bereits  bekannten  ganzen  Schrotoder ­
  Bolzenschrotzimmerung  statt;  dieser  ähnlich,  nur  statt  Holz
Eisen,  ist  der  Eisenausbau.  Bei  diesen  Methoden  haben  die
Schächte  meist  ein  4  eckiges  Profil.  Bei  der  Mauerung  dagegen
ist  es  leicht  rund  zu  gestalten.  Die  Mauerung  ist  dauerhaft  und
fest,  aber  bei  grossen  Schachttiefen  erfordert  sie  eine  grosse
Weite  des  Schachtdurchschnittes.  Diese  Methoden  bewähren  sich
jedoch  nicht  bei  grossen  Wasserzuflüssen  oder  bei  schwimmendem ­
  Gebirge.  Sind  diese  beiden  Zustände  nur  in  geringem  Masse
vorhanden,  so  wendet  man  wohl  die  sog.  Getriebezimmerung  oder
Abtreibearbeit  an.  Sie  besteht  darin,  dass  man  Pfähle  oder  auch
ein  aus  dicht  zusammenschliessenden  Brettern  verfertigtes  Schachtmodell ­
  in  die  lockeren  oder  nassen  Massen  vorantreibt  und  diese
dann  daraus  entfernt.  Bei  festem  Gebirge  mit  grossen  Wassermengen ­
  aber  verwendet  man  Bohrschächte,  bei  grösseren  Schichten ­
  schwimmenden  Gebirges  Senkschächte  oder  auch  das  Gefrierverfahren. ­
  Es  sind  dies  vom  Standpunkte  der  Technik  aus  staunenswerte ­
  Methoden,  auf  deren  technische  Einzelheiten  wir  jedoch ­
  nur  ganz  kurz  eingehen  können.
Das  Schachtbohren  1  2 )  besteht  darin,  dass  man  mit  einem

1)  Vgl.  allgemein  Köhler,  Kat.  192  ff.
2)  Gl.A.  1S99.  1000:  Die  Bohrtechnik  in  ihrer  historischen  Entwicklung  bis  zu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.