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burg nach den Hansastädten, wie nach dem slavischen Nordosten.
Als Gegenstück zu den italienischen Handelstädten und sich mit ihnen
die Hand reichend entwickelten sich an der Nord- und Ostsee die
Hansastädte, die den Bund der Hansa stifteten und ihre Faktoreien
in England wie in den skandinavischen Reichen und nach Russ-
land hin vorschoben.
Eine gänzliche Verschiebung fand dann, wie schon an anderer
Stelle ausgeführt, in dem Verkehre mit dem Orient durch die Ent-
deckung des Seeweges nach Ostindien stati, unterstützt durch die
Entdeckung des Kompasses, wodurch der gesamte Schiffsverkehr eine
besondere Anregung erhielt, und seitdem mehr und mehr den Aussen-
handel zu entwickeln und zu übernehmen imstande war. Portugal
und Spanien waren es bekanntlich, die dieses in erster Linie mit
grösster Energie und Erfolg übernahmen und daher auch die über-
seeischen Entdeckungen machten und diese zuerst auszunutzen in der
Lage waren. Sie wurden nun die hauptsächlichsten Handelsmächte,
während der Stern der italienischen Städte mehr und mehr ver-
blasste. Auch die Hanseaten vermochten die wachsende Konkurrenz
von Holland und England, die dann auf den Weltmarkt traten,
nicht zu überwinden, weil ihnen die Unterstützung eines offenen Hinter-
landes und eines mächtigen Reiches fehlte.
In dem sich nun in den folgenden Jahrhunderten ausbildenden
Wettlauf und Wettkampfe blieben dann bekanntlich die Engländer
Sieger, die durch das rücksichtslose Vorgehen auf Grund der Navi-
gationsakte vor allem die Niederlande erdrückten, während Por-
tugal und Spanien an innerer Entartung von selbst zurückgingen.
Eine Zeit lang, aber nur vorübergehend, übernahm Frankreich
die Führung. Nach dem Unabhängigkeitskriege der Vereinigten
Staaten, welcher hauptsächlich die Folge des von England ausge-
übten Ausbeutungssystems der Kolonien war, sahen sich diese Länder
genötigt, den ausschliesslichen Verkehr mit ihren überseeischen Kolonial-
gebieten mehr und mehr freizugeben, wodurch sich ein regerer Handels-
verkehr entwickeln konnte. Unter dem Einfluss der Erfindungen des
letzten Jahrhunderts, der Ausbildung des KEisenbahnnetzes und des
Dampfschiffverkehres konnte der internationale Austausch einen bisher
nie geahnten Aufschwung gewinnen, und die Durchführung des Frei-
handelssystems in England und seinen Kolonien leistete dem den wirk-
samsten Vorschub, so dass der Aussenhandel vor allen Dingen in Eng-
land selbst den Binnenhandel an Umfang längst überflügelt hat, und
dies auch in anderen Staaten wohl in nicht zu langer Zeit geschehen
wird, wodurch der modernen Handelspolitik neue Aufgaben gestellt
werden.
Diese Aufgaben sind naturgemäss andere für den ausländischen
als für den Binnenverkehr. Für beide aber wird als Grundlage anzu-
nehmen sein: vor allem Verbesserung der Kommunikationsmittel, Ver-
minderung der Zollschranken und Entwicklung des Bankwesens, worauf
wir hier nicht näher einzugehen haben. Kine direkte Unterstützung
des Binnen- und Detailhandels hat sich in der neueren Zeit gleichfalls
als unnötig erwiesen, sondern es kommt nur die allgemeine Förderung
durch Begünstigung der Fachbildung in Betracht. Für dieselbe ist in
der neueren Zeit ein reves Interesse erwacht, indem neben den mittleren
Neuere Zeit.
[andelspoli-
ische Auf-
gaben.
Tachschulen.