Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Lande!.  V.  Landelsunternehmung  k.

Nun  das  Anglück  da  war,  rief  man  nach  Lilfe!  Nachdem  das  Kind  hineingefallen ­
  war,  mußte  der  Brunnen  zugedeckt  werden!  So  ging  neben  der  außergerichtlichen
Liquidation  der  Engagements  des  zusammengestürzten  Laussetrifoliums  die  Gründung
der  Liquidationskasse  einher,  und  ein  jeder  beeilte  sich,  dieselbe  zu  unterstützen  und  sich
zu  verpflichten,  künftighin  keine  anderen  Termingeschäfte  als  durch  die  zu  gründende
Kaffe  zu  machen.  Eine  frühere  Erkenntnis  dieser  Notwendigkeit  wäre  manchem  zum
Leil  gewesen,  und  mancher,  der  gegen  die  Einrichtung  der  Liquidationskasse  seinerzeit
gestimmt  hatte,  mag  es  bitter  bereut  haben.  Wer  aber,  der  dies  erlebt  hat,  kann  es
begreifen,  daß  man  zu  behaupten  wagt,  die  Liquidationskassen  unterstützten  die  Spekulation!
Nein,  sie  sichern  das  gesunde,  volkswirtschaftlich  notwendige  Termingeschäft  für  einen
so  großen  Artikel  wie  Zucker,  dessen  in  wenige  Monate  zusammengedrängte  Produttion
auf  ein  ganzes  Jahr  verteilt  werden  muß.  Sie  gebieten  einer  ungesunden  Spekulation
ein  kategorisches  Lalt,  wenn  sie  am  Ende  ihrer  Mittel,  die  Einschüsse  und  Nachschüsse
nicht  mehr  leisten  kann,  ohne  sie,  falls  sie  im  Vorteil  ist,  durch  Auszahlung  imaginärer
Gewinne  zu  stärken.  Die  Liquidationskassen  sichern  in  bester  Weise  die  wohl  zu
billigende  Absicht  des  Börsengesehes,  eine  ungesunde  Spekulation  zu  verhüten.
Ich  bin  gewiß  ein  Feind  jeder  übertriebenen,  namentlich  einer  über  die  vorhandenen ­
  Mittel  hinausgehenden  Spekulation,  aber  ich  bin  doch  ein  Feind  des  Börsenregisters. ­
  Jeder  in  das  Handelsregister  eingetragene  Kaufmann  muß  wissen,  was  er
zu  tun  hat,  und  darf  sich  nicht  hinter  dein  Spieleinwand  verstecken.  Mag  man  diesen
Einwand  den  Privaten  lassen,  wenn  es  einmal  juristisch  richtig  sein  soll,  Lieferungsgeschäfte ­
  als  Wetten  anzusehen.  Möge  man  ihnen  diesen  unmoralischen  Weg  lassen,
sich  aus  dem  mit  der  Absicht  aus  Gewinn  unternommenen,  aber  verlustbringend
gewordenen  Geschäfte  zurückzuziehen,  während  man  den  Gewinn  sicher  eingestrichen  hätte!
Aber  dem  wirklichen  Kaufmann  sollte  man  nicht  diese  elende  Ausflucht  öffnen  und  ihn
in  die  Versuchung  bringen,  auf  zwei  Seiten  zu  spekulieren,  auf  der  einen  Seite  den
Gewinn  einzustreichen,  auf  der  anderen  den  Spieleinwand  zu  erheben.  Denn  es  ist
doch  sehr  schwer,  einen  solchen  Spekulanten  zur  Verantwortung  zu  ziehen,  gegen  welche
ihn  dem  Buchstaben  nach  die  Nichteintragung  in  das  Börsenregister  schützt.

V.  Handelsunternehmung  und  industrielle
Llnternehmerverbände.

1.  Die  Handelsunternehmung.
Von  Wilhelm  Lexis.
Lexis,  Handel.  In:  Handbuch  der  politischen  (Ökonomie.  Herausgegeben  von  v.  Zchönberg.
<*.  Aufi.  2.  Bd.  2.  Halbband.  Tübingen,  H.  kanxp,  t8J8.  5.  220—25H.
Der  Betrieb  des  Handels  bildet  den  Gegenstand  besonderer  privatwirtschaftlicher ­
  Anternehmungen,  deren  Leistungen  im  allgemeinen  weit  mehr  auf  dem
Kapital  als  auf  der  Arbeit  beruhen.  Dieser  letztere  Satz  ttifft  umso  genauer  zu,
je  vollständiger  sich  die  Trennung  des  Handels  von  dem  Transportgcwerbe  vollzogen
hat.  In  dem  Kapital  des  Handels  aber  überwiegt  wieder  das  umlaufende  bei
weitem  das  stehende.  Das  letztere  besteht  ja  außer  den  noch  etwa  beibehaltenen
            
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