Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

4. Der Preis. 
155 
sondern auch der geschickten Fassung und Ausstattung der Inserate an. Die großen und 
prachtvoll ausgestatteten Bände, in denen dieses Angebot sich verkörpert, werden aber 
gleichfalls wieder der Reklame dienstbar gemacht und durch Reklame bezahlt. 
Reklame hier und dort, — gute und schlechte, notwendige und überflüssige — 
sie gehört zur Signatur der Zeit. 
4. Der Preis. 
Von Julius Lehr. 
kehr, Die Grundbegriffe der Nationalökonomie. (Hand- und kehrbuch der Staats- 
wiffenschaften. Abt., Sb.) 2. Aufl., herausgegeben von v. Deckel. Leipzig, £. k. Hirschfeld, 
$(n. 5. 222—225. 
•Unser Preis im weiteren Sinne des Wortes versteht man allgemein die Summe 
von Opfern, welche die Erlangung eines Gegenstandes kostet, gleichviel welcher Art 
diese Opfer sind. Man erkauft etwa eine Stellung um den Preis seiner Ehre, einer 
Freundschaft, oder man erringt etwas um den Preis hoher Anstrengung, auch wohl 
um den Preis seiner Gesundheit. Man setzt preis das, was man für Erreichung 
eines Zieles daran wagt, man gibt preis das, worauf man verzichtet, ein Begriff, der 
allgemein dahin aufgefaßt wird, daß dem Verzicht ein Entgelt nicht zu entsprechen 
braucht, und mit dem der Nebenbegriff des Leichtsinnigen, des Verächtlichen oder Gleich 
gültigen verbunden ist. 
Im Tauschverkehr insbesondere ist Preis die Menge von Gütern und Leistungen, 
die als Gegengabe gegen andere dienen; das Verhältnis ist hierbei ein wechselseitiges. 
Je was der eine erhält, ist der Preis, den der andere entrichtet. Werden 2 t Weizen 
gegen 40 KI Bier hingegeben, so ist der Preis 1 t Weizen gleich 20 KI Bier und 
umgekehrt der Preis von 1 KI Bier gleich 50 kg Weizen. Auf dieser Wechsel 
seitigkeit beruht es auch, daß von Preisaufgaben, Preisarbeiten gesprochen werden kann. 
Es wird ein Preis (Geldsumme, Preismedaille, auch nur eine öffentliche Anerkennung, 
Belobung) für die beste Leistung, für eine Schrift, eine Erfindung ausgesetzt, um den 
sich mehrere Personen in einem Preiskampfe bewerben, und den die Preisrichter nach 
der Preiswürdigkeit der Leistungen zuerkennen. Man erringt hier im Wettkampfe den 
Preis, während man sonst etwas um einen Preis erringt. Dort ist der Preis das, 
was festgesetzt ist, die Leistung noch unbestimmt, hier ist das bestimmt gegeben, was 
man verkaufen will, und wofür ein Preis zu zahlen ist. 
Erscheint bei dem Naturaltausche ein jeder als Käufer und gleichzeitig als Ver 
käufer, so gestaltet sich das Verhältnis anders in der sog. Geldwirtschaft, in welcher 
gegen Geld gekauft und verkauft wird. Hier nennen wir ausschließlich den einen, 
welcher das Geld hingibt, Käufer, den anderen, der es empfängt, Verkäufer und 
das, was für Geld gekauft wird, Ware. Die Nationalökonomie kann, wenn auch nicht 
ebenso die Jurisprudenz, deswegen immerhin auch in der Geldwirtschaft das Verhältnis 
als ein wechselseitiges betrachten, vom Preise der Waren und Leistungen wie auch von 
demjenigen der edlen Metalle und des Geldes sprechen. Ist der Preis eines Hektoliters 
Weizen = 200 Mark, so ist der von einer Mark oder von 0,3584 g Gold = Va Liter 
Weizen. 
Erscheint uns der Preis (das Opfer), welcher aufzuwenden ist, hoch, so bezeichnen 
wir den zu erlangenden Gegenstand als teuer, im entgegengesetzten Falle nennen wir 
die Ware billig oder wohlfeil, während eine Unart des Sprachgebrauches im gewöhn-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.