Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Kandel.  IX.  Märkte  und  Messen.

Büchern  hervorgeht,  waren  die  Geldsummen,  welche  auf  solche  Weise  dort  gesammelt
wurden,  verhältnismäßig  noch  nicht  sehr  bedeutend.  Den  Imhof  z.  B.  gelang  es  nicht,
größere  Posten  als  12  000  bis  14  000  fl.  zu  erlangen;  der  einzige  Posten  in  letzterer
Löhe  rührte  von  einem  Abte  her,  wie  denn  der  Klerus  der  Amgegend  von  Frankfurt
sich  bei  diesen  Geldgeschäften  mehrfach  beteiligte,  während  Landelshäuser  von  Belang
damals  dort  noch  kein  Geld  auszuleihen  pflegten.  Dies  änderte  sich  erst  seit  dem
Niedergänge  Antwerpens.
Der  riesenhafte  Verkehr  Antwerpens  verteilte  sich  bekanntlich  nach  dem  Ausbruche
der  dortigen  Wirren  auf  eine  ganze  Anzahl  von  Städten:  London,  Middelburg,
Amsterdam,  Emden,  Lamburg,  Bremen,  Köln,  Frankfurt  a.  M.  hatten  zunächst  wohl
den  größten  Zuwachs;  doch  verschob  sich  dies  bald  mehrfach,  indem  einzelne  der  genannten
Städte  wiederzurückgedrängt  wurden  und  ihren  Verkehr  an  andere  abgeben  mußten,
so  Emden  an  Lamburg,  so  auch  Köln  an  Frankfurt  a.  M.  und  Amsterdam.
Die  Frankfurter  Messen  gewannen  gleich  nach  dem  Ausbruche  der  niederländischen
Wirren  erhöhte  Bedeutung  für  den  internationalen  Warenhandel.  So  wissen  wir,
daß  sie  alsbald  einen  Teil  des  Antwerpener  Landels  mit  englischen  Tüchern,  mit
Gewürzen  usw.  erbten,  insbesondere  die  Versorgung  Oberdeutschlands  und  der  weiter
zurückliegenden  Linterländer  mit  diesen  Waren,  soweit  sie  nicht  in  die  Lände  Lamburgs
gelangte.  Engländer,  Niederländer  und  Italiener  erschienen  in  stark  wachsender  Zahl
auf  den  Messen.  Im  Zusammenhange  damit  nahm  der  internationale  Wechselverkehr
erheblich  zu,  worauf  gleich  zurückzukommen  ist.  Aber  es  dauerte  einige  Zeit,  ehe
Frankfurt  ein  Geldmarkt  von  größerer  Bedeutung  wurde.  Noch  im  Jahre  1577
berichteten  die  Fugger  an  den  Lerzog  Wilhelm  von  Bayern,  Frankfurt  sei  ein  Platz,
„allda  man  wenig  mit  Baargeld,  sondern  meist  mit  Waaren  handelt";  sie
hätten  dort  wenig  zu  tun.  Das  änderte  sich  erst  im  Laufe  der  folgenden  Jahrzehnte,
und  zwar  im  Anschlüsse  an  die  Entwickelung  des  Münz-  und  Wechselbrief-Verkehres.
Lier  wie  auf  den  Genueser  Messen  war  es  die  Konzentration  des  Zahlungsverkehres,
welche  die  Bildung  eines  Kapitalmarktes  von  internationaler  Bedeutung  herbeiführte;
dabei  bestanden  aber  zwischen  den  beiden  Messen  sehr  wesentliche  Anterschiede.
Während  man  in  den  Genueser  Messen  Barzahlungen  fast  ganz  vermied,  wurde
in  Frankfurt  beinahe  nur  Bargeld  gezahlt.  Als  im  Jahre  1567  von  den  Niederlanden ­
  her  viel  minderwertige  Münze  über  Frankfurt  ins  Reich  kam  und  damit  die
Periode  jener  Münzwirren  begann,  welche  ein  halbes  Jahrhundert  später  mit  der
Kipper-  und  Wipperzeit  endete,  beschwerte  sich  der  Kaiser  beim  Frankfurter  Rate
darüber,  daß  er  solche  Münzen  dulde,  und  im  folgenden  Jahre  erhoben  die  rheinischen
Kurfürsten  ebenfalls  Beschwerde  über  diesen  Mißstand;  darauf  antwortete  der  Rat,
in  den  Messen  sei  eben  bei  weitem  nicht  genug  gute  Reichsmünze  vorhanden,  um
alle  Zahlungen  zu  leisten;  deshalb  könne  man  die  fremde  Münze  nicht  entbehren.
Als  dann  in  den  folgenden  Jahren  eine  kaiserliche  Kommission  das  Meßzahlungswesen ­
  untersuchte,  verwahrte  der  Rat  sich  energisch  gegen  den  Vorschlag,  die  Zahlungen
unter  obrigkeitlicher  Aufsicht  stattfinden  zu  lassen,  und  motivierte  seine  Ablehnung
damit,  es  sei  ganz  unmöglich,  die  Zahlungen  an  den  vielen  hundert  verschiedenen ­
  Orten,  an  welchen  sie  geschähen,  zu  überwachen.  Die  Handelskorrespondenzen ­
  der  folgenden  Jahre  wimmeln  von  unaufhörlichen  Klagen  über  die
Anordnungen  im  Zahlungswesen  der  Frankfurter  Messen,  wo  alle  erdenklichen  Münzen
zu  den  verschiedensten  Kursen  in  Amlauf  gesetzt  wurden.  Es  bestand  dort  also  damals
weder  eine  feste  Währung  noch  eine  Zentralisation  des  Zahlungswesens.
Dabei  nahm  aber  die  Bedeutung  Frankfurts  als  Wechsel-  und  Zahlungsplatz
allmählich  weiter  zu.  Mindestens  schon  im  Jahre  1584  diente  es  den  Fuggern,  um
große  Geldsummen  für  Rechnung  der  spanischen  Krone  nach  den  Niederlanden  schaffen
zu  lassen;  damals  waren  es  250000  Dukaten,  welche  von  Venedig,  Augsburg  und
            
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