4. Die Goldproduktion am Ende des 19. Jahrhunderts. 241
nicht ausschließlich neue Fundstätten die Zunahme der Goldgewinnung hervorgerufen
haben, sondern daß ein reichlicher Anteil an der Steigerung auf eine beträchtliche
Zunahme der Goldgewinnung in den alten Produktionsgebieten entfällt. Die Vereinigten
Staaten und Australien haben von 1891 —1899 ihre Goldproduktion mehr als verdoppelt.
Zn den Vereinigten Staaten lieferte namenüich Kolorado große Quantitäten und
verdrängte Kalifornien aus der ersten Stelle; in Australien war es namentlich die seit
dem Beginn der neunziger Jahre sich rapid entwickelnde Produktion Westaustraliens,
welche den Gesamtertrag dieses Kontinents so beträchtlich anschwellen ließ. Von der
Mitte der neunziger Jahre an hielt die Goldgewinnung dieser beiden Produttions-
gebiete mit der sich rasch weiter entwickelnden Goldausbeute Südafrikas nahezu gleichen
Schritt. Im Jahre 1899 stand Australien mit einer Goldgewinnung von 333 Millionen
Mark an der Spitze aller Länder; es folgte Südafrika mit 307 Millionen Mark
(1898 allerdings 336 Millionen) und die Vereinigten Staaten mit 298 Millionen
Mark. An vierter Stelle kam Rußland, dessen Goldgewinnung gegen Ende der
achtziger Jahre ihren Rückgang gleichfalls unterbrochen und sich in den neunziger Jahren
auf einer ansehnlichen Löhe gehalten hatte; seine jährliche Produttion erreichte ihren
höchsten Stand im Jahre 1895 mit 121 Millionen Mark, sie erlitt in den folgenden
Jahren lebhafte Schwanttmgen und wird für 1899 auf 93 Millionen Mark berechnet.
Diese unerwartete Steigerung der Goldproduttion in den alten Goldländern ist
in der Hauptsache durch technische Fortschritte im Goldbergbau und in der Aufbereitung
des Goldes erzielt worden. Diese technischen Verbesserungen der metallurgischen
Methoden haben nicht nur die gründlichere Ausbeutung der bereits bekannten Gold
lager, die Wiederaufnahme von Bergwerken, die wegen Anergiebigkeit eingestellt worden
waren, und die Ausbeutung von Rückständen aus der Goldproduktion früherer Zeiten
gestattet und so die Goldgewinnung der alten Produttionsländer auf eine auch in der
Periode der raschen Ausbeutung reicher Schwemmlande nie erreichte Löhe gebracht;
sie haben vielmehr auch zu einem großen Teil die Voraussetzung für einen lohnenden
Abbau der neu entdeckten Goldlager gebildet. Die Goldproduttion des Transvaal
wäre ohne diese technischen Fortschritte niemals auch nur entfernt zu ihrer Löhe
gelangt; der Bergbau am Rand ist in seinem großen Amfange erst dadurch lohnend
geworden, daß die Verbesserungen des technischen Verfahrens die Ausbeutung von
Quarz ermöglichen, der pro Tonne nur wenige Gramm Gold enthält.
Die neueste und glänzendste Epoche der Goldgewinnung unterscheidet sich mithin
dadurch von allen früheren, daß sie nicht auf der Entdeckung neuer, leicht auszubeutender
Goldfelder in Schwemmlanden beruht, sondern auf dem Fortschritte der metallurgischen
Methoden. Während in den ftüheren Perioden einer ungewöhnlich starken Gold
produktion weitaus der größte Teil des neuen Goldes aus Schwemmlanden gewonnen
wurde, — so war es im Altertum, so war es zur Zeit der spanischen Eroberungen
in Amerika und später in der Zeit der brasilianischen und kalifornisch-australischen
Goldfelder — stammt heute der beträchtlich überwiegende Teil der Goldförderung aus
dem Gangbergbau. Die goldhaltigen Schwemmlande sind fast in allen wichtigen
Produttionsländern — die bedeutsamste Ausnahme ist Sibirien — abgebaut; so
namentlich in Kalifornien und Austtalien, den Ländern der ehemals reichsten Alluvien.
In Kalifornien und den übrigen goldproduzierenden Staaten der Anion liegt heute
der Schwerpuntt der Goldgewinnung im Quarzbergbau. In Austtalien beruht die
Goldförderung von Queensland und Westaustralien fast ausschließlich, die Gold
gewinnung von Vittoria zu etwa zwei Dritteln auf Quarzbergbau. In Südafrika
kam von Anfang an fast nur Quarzgold in Bettacht. Auch in Sibirien stammt das
Gold nicht aus oberflächlichen Ablagerungen, sondern aus sogenannten Diluvialschichten,
die 20 und mehr Fuß unter der Erde liegen; ebenso verhält es sich in Australien,
soweit Schwemmlande neben dem Quarzbergbau in Betracht kommen.
Mo Hat, Volkswirtschaftliches Lesebuch.
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