Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

7.  Der  Giroverkehr  der  Reichsbank.

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Check  lautet  auf  den  Namen  und  kann  nicht  auf  Dritte  übertragen  werden.  Der
weiße  Check  dagegen  wird  auf  den  Namen  mit  dem  Zusatze  „oder  Überbringer"  gestellt.
Für  die  Zahlungsleistung  im  Fernverkehr  kommt  praktisch  fast  nur  der  rote  Check,  also
die  Übertragung  von  Konto  zu  Konto,  in  Betracht,  da  die  Barzahlung  aus  einem
Guthaben  auf  Grund  eines  Weißen  Checks  an  einem  andern  Platze  nur  gegen  Entrichtung ­
  einer  Gebühr  und  erst  dann  erfolgen  kann,  wenn  das  Vorhandensein  des
Guthabens  bei  der  das  Konto  führenden  Zweiganstalt  festgestellt  ist.
Die  Girocinrichtung  der  Reichsbank  ist  allen  Klassen  der  Bevölkerung  zugänglich,
ebenso  wie  Anstalten  und  Behörden.  Die  Bank  eröffnet  jedem  ein  Konto,  welcher
das  für  den  Giroverkehr  nötige  Vertrauen  genießt.  Sie  erwartet,  daß  der  Inhaber
ein  der  Mühewaltung  entsprechendes  Guthaben  hält.  Ein  bestimmter  Maßstab  hierfür
ist  zwar  nickt  gegeben,  die  Löhe  der  Guthaben  läßt  sich  vielmehr  erst  bestimmen  nach
Art  und  Amfang,  in  welchem  der  Konteninhaber  die  Dienste  der  Bank  in  Anspruch
nimmt.  Indessen  wird  die  Eröffnung  von  Girokonten  für  Kaufleute  von  einer
vorherigen  Verständigung  über  die  Löhe  des  der  Bank  in  der  Regel  zu  belassenden
Mindestguthabens  abhängig  gemacht,  welches  an  kleineren  Orten  nicht  unter  1000  Mark
herabssnken,  an  größeren  Landelsplätzcn  aber  mehrere  tausend  Mark  betragen  soll.
Steigen  die  Amsätze  auf  dem  Konto  über  das  entsprechende  und  erwartete  Maß  hinaus
und  findet  die  Bank  sich  auch  anderweitig  nicht  ausreichend  entschädigt,  so  kann  sie  den
Konteninhaber  anhalten,  sein  Guthaben  entsprechend  zu  verstärken.  Die  Bank  kann
ein  Konto  jederzeit  ohne  Angabe  von  Gründen  kündigen,  wozu  hauptsächlich  eine
mißbräuchliche  Benutzung  desselben  führen  kann.
Am  10.  April  1876  konnte  der  Giroverkehr  auf  der  neuen  Grundlage  in  Berlin
und  bei  sämtlichen  selbständigen  Bankanstalten  eröffnet  werden.  Der  neue  Geschäftszweig ­
  begann  sogleich  mit  einem  ausgedehnten  Kreise  von  Interessenten.  Die  Mittel,
welche  der  Bank  aus  seiner  Pflege  zuflössen,  erhöhten  sich  in  rascher  Folge.  Die
Giroguthaben  hatten,  soweit  sie  sich  aus  Privatguthaben  zusammensetzten,  am
1.  Januar  1876,  nach  Übernahme  der  großen  Bestände  der  Lamburger  Girobank,  den
Betrag  von  16  Millionen  Mark  um  weniges  überstiegen,  betrugen  aber  schon  am
31.  Mai,  kaum  zwei  Monate  nach  der  allgemeinen  Einführung  des  Verkehrs,  über
94,5  Millionen  Mark.  Die  neuen  Einrichtungen  haben  sich  auch  in  der  Folge  im
großen  und  ganzen  als  zweckmäßig  erwiesen  und  erfuhren  nur  einmal  bei  der  Einrichtung ­
  der  Abrechnungsstellen  eine  erheblichere  Änderung.
Durch  die  planmäßig  durchgeführte  Organisation  des  Giroverkehrs  ist  es  der
Reichsbank  gelungen,  diesen  Geschäftszweig  zu  großer  Entfaltung  zu  bringen.  Die
Amsätze  im  Giroverkehr,  welche  im  Jahre  1875  bei  der  Preußischen  Bank  nur
834  Millionen  Mark,  bei  der  Lamburger  Bank  2658  Millionen  Mark  betragen
hatten,  haben  sich  im  ersten  Jahre  des  Bestehens  der  Reichsbank  auf  16,7  Milliarden
Mark  und  bis  zum  Jahre  1900  auf  164  Milliarden  Mark  gehoben.  Die  Zahl  der
Konten,  welche  die  Reichsbank  von  den  genannten  Instituten  übernommen  hatte,  betrug
insgesamt  nicht  viel  mehr  als  700.  Sie  steigerte  sich  noch  im  Jahre  1876  auf  3245
und  bis  zum  Ende  des  Jahres  1900  auf  15847.*)
Die  aufsteigende  Entwickelung  vollzog  sich  indessen  nicht  ununterbrochen.  Nachdem
die  Zahl  der  Teilnehmer  schon  seit  Ende  der  siebziger  Jahre  nahezu  stabil  geblieben
war,  trat  im  Jahre  1882  sowohl  in  den  Amsätzen  wie  in  den  Guthaben  ein  Rückgang
ein,  der  um  so  bemerkenswerter  ist,  als  gerade  in  diesem  Jahre  die  Geschäftstätigkeit

*)  Im  Jahre  (903  wurden  im  Giro-  und  Anweisungsverkehr  XBO 3 ^  Milliarden  Mark
umgesetzt;  die  Zahl  der  Kontoinhaber  betrug  Ende  desselben  Jahres  20027.  verwaltungsbericht ­
  der  Reichs  bank  für  das  Jahr  $03.  vorgelegt  in  der  Generalversammlung  am
7.  März  ;90n.  Berlin,  gedruckt  in  der  Reichsdruckerei.  5.  20  und  5.  6.  —  G.  ITT.
            
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