Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

9.  Der  Konzentrationsprozeß  im  deutschen  Bankgewerbe  (1903).  277
Mit  Stolz  blicken  am  heutigen  Ehrentage  Euerer  Exzellenz  der  deutsche  Kandel
und  vor  allem  die  deutschen  Börsen  auf  einen  Mann,  der  solches  geleistet;  mit  Freuden
nehmen  sie  wahr,  wie  trotz  der  so  erfolgreichen,  aber  auch  fo  mühsamen  Arbeit  eines
ganzen  Lebens  Euere  Exzellenz  noch  immer  in  unveränderter  Frische  und  Rüstigkeit
dastehen  und  noch  eine  lange  Reihe  von  Jahren  segensreicher  Tätigkeit  erhoffen  lassen.
Mit  den  weitesten  Kreisen  des  deutschen  Handels  gibt  auch  die  unterzeichnete
Handelskammer  dem  innigsten  Wunsche  Ausdruck,  daß  diese  Loffnung  sich  verwirklichen
möge  und  Euerer  Exzellenz  nebst  einem  glücklichen  Lebensabend  noch  viele  Jahre  der
Tätigkeit  zum  Wohl  und  Gedeihen  des  deutschen  Kandels  beschieden  sein  möchten!"

9.  Der  Konzentrationsprozeß  im  deutschen  Bankgewerbe
(1903).
Von  Richard  Ealwer.
Lalwer,  Das  Wirtschaftsjahr  (903.  (.  Teil.  Jena,  Gustav  Fischer,  $04.  5.  (78—>79
und  S.  (8(—(82.
Das  Konzentrationsbestreben  im  Bankwesen  hat  im  Jahre  1903,  vor  allem
durch  die  Interessengemeinschaft  zwischen  der  Dresdner  Bank  und  dem
Schaaffhausenfchen  Bankverein,  einen  ganz  überraschenden  Erfolg  von  großer
Tragweite  zu  verzeichnen.  Die  Fusion,  die  im  November  bekannt  wurde,  trat  mit
dem  1.  Januar  1904  in  Kraft.  Die  Gründe,  die  über  die  Fusion  angegeben  wurden,
leiten  sich  einmal  aus  der  allgemeinen  Lage  des  Geldmarktes  her,  sodann  aber  insbesondere ­
  aus  der  Konkurrenz,  die  sich  die  verschiedenen  Berliner  Großbanken, ­
  vor  allem  im  rheinisch-westfälischen  Gebiet  gegenseitig  machen.
Bei  sinkenden  Diskontsätzen  wird  es  auch  den  kapitalkräftigen  Banken  schwer,
ihre  Gelder  so  rentabel  anzulegen,  daß  sie  im  stände  sind,  ihr  Aktienkapital  in  einer  dein
Kurse  ihrer  Aktien  entsprechenden  Köhe  zu  verzinsen.  Nun  liegt  es  aber  in  dem
Bestreben  jeder  Aktiengesellschaft,  ihren  Aktionären  das  Kapital  möglichst  hoch  zu  verzinsen. ­
  Lim  dazu  überhaupt  in  der  Lage  zu  sein,  bleibt  kein  anderer  Weg  übrig,  als
Massenumsätze  zu  erzielen,  bei  denen  schon  relativ  geringe  Ertragsüberschüsse  hinreichen, ­
  um  für  die  Aktionäre  einen  nennenswerten  Gewinn  abzuwerfen.  Je  größer
der  Amsatz,  um  so  kleiner  braucht  bei  dem  einzelnen  Geschäft  der  Gewinn  zu  sein.
Der  Gewinn  aus  dem  ganzen  Geschästsunternehmen  bleibt  dann  doch  auf  gleicher
Köhe;  ja  die  Vermehrung  des  Amsatzes  kann  trotz  weichenden  Zinsfußes  sogar  noch
eine  beträchtliche  Steigerung  des  Gewinns  zur  Folge  haben.  So  schafft  die  gegenwärtige ­
  Lage  des  Geldmarktes  die  Notwendigkeit  einer  Vergrößerung  der  Amsätze  bei
unseren  Großbanken.
Diese  Notwendigkeit  wird  aber  um  so  zwingender,  je  mehr  die  Banken  unter  sich
selbst  den  Kreditnehmern  gegenüber  in  Konkurrenz  treten.  Den  ersten  Anstoß  zur
Verschärfung  dieser  Konkurrenz  hat  Ende  des  Jahres  1902  die  Deutsche  Bank
gegeben,  indem  sie  die  Duisburg-Ruhrorter  Bank  erwarb,  wodurch  eine  ganze  Reihe
großer  Industriegescllschaften  Rheinland-Westfalens  in  enge  finanzielle  Beziehungen
zu  der  Deutschen  Bank  traten.
Damals  spitzte  sich  der  Wettbewerb  zwischen  den  Großbanken  erheblich  zu.  Die
Deutsche  Bank,  die  Diskontogesellschaft,  die  Dresdner  Bank,  der  Schaaffhausenschc
Bankverein,  die  Berliner  Kandelsgesellschaft  suchten  gleichzeitig  und  in  steigendem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.