Die Sammlung
„Ñus Natur und Geisteswelt"
die nunmehr auf ein mehr denn zehnjähriges Bestehen zurückblicken
darf und jetzt über 275Bände umfaßt, von denen 60 bereits in zweiter
bis vierter Auflage vorliegen, verdankt ihr Entstehen dem Wunsche,
au der Erfüllung einer bedeutsamen sozialen Aufgabe mitzuwirken.
Sie soll an ihrem Teil der unserer Kultur aus der Scheidung in
Kasten drohender Gefahr begegnen helfen, soll dem Gelehrten es
ermöglichen, sich an weitere Kreise zu wenden, dem materiell ar
beitenden Menschen Gelegenheit bieten, mit den geistigen Errungen
schaften in Fühlung zu bleiben, ver Gefahr, der Halbbildung zu
dienen, begegnet sie, indem sie nicht in der Vorführung einer Fülle
von Lehrstoff und Lehrsätzen oder etwa gar unerwiesenen Hypo
thesen ihre Ñufgabe sucht, sondern darin, dem Leser Verständnis
dafür zu vermitteln, wie die moderne Wissenschaft es erreicht hat,
über wichtige Fragen von allgemeinstem Interesse Licht zu ver
breiten. So lehrt sie nicht nur die zurzeit auf jene Fragen er
zielten Antworten kennen, sondern zugleich durch Begreifen der zur
Lösung verwandten Methoden ein selbständiges Urteil gewinnen
über den Grad der Zuverlässigkeit jener Antworten.
Ls ist gewiß durchaus unmöglich und unnötig, daß alle Welt
sich mit geschichtlichen, naturwissenschaftlichen und philosophischen
Studien befasse. (Es kommt nur darauf an, daß jeder Mensch an
einem Punkte sich über den engen Kreis, in den ihn heute meist
der Beruf einschließt, erhebt, an einem Punkte die Freiheit und
Selbständigkeit des geistigen Lebens gewinnt. In diesem Sinne
bieten die einzelnen, in sich abgeschlossenen Schriften gerade dem
„Laien" auf dem betreffenden Gebiete in voller Anschaulichkeit und
lebendiger Frische eine gedrängte, aber anregende Übersicht.
Freilich kann diese gute und allein berechtigte Art der Popu
larisierung der Wissenschaft nur von den ersten Kräften geleistet
werden; in den vienst der mit der Sammlung verfolgten Auf
gaben haben sich denn aber auch in dankenswertester weise von
Anfang an die besten Namen gestellt, und die Sammlung hat sich
dieser Teilnahme dauernd zu erfreuen gehabt.
So wollen die schmucken, gehaltvollen Bände die Freude
am Buche wecken, sie wollen daran gewöhnen, einen kleinen Be
trag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürfnisse nicht anzu
sehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger anzuwenden. Durch
den billigen preis ermöglichen sie es tatsächlich jedem, auch dem
wenig Begüterten, sich eine kleine Bibliothek zu schaffen, die das
für ihn wertvollste „Aus Natur und Geisteswelt" vereinigt.
Leipzig, 1909. . ' B.G.Teubner.