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Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle.
8. David Hansemann als Politiker.
Von Alexander Bcrgengrün.
Bergengrün, David tsansemann. Berlin, I. Guttentag, ;90p S. 95—97 und S. 556
bis 357.
Der Ausgangspunkt für Lansemanns politisches Wirken war sein kaufmännischer
Beruf. Er lebte zunächst, wie es seine Pflicht war, dem Geschäft. Kaufmännische
Überlegung, ein gesunder Menschenverstand und ein angeborener politischer Trieb sagten
ihm aber, daß das Geschäft nur florieren könne, wenn es einen günstigen Boden
in den allgemeinen Verhältnissen finde, und daß diese wieder nur dann befriedigen
können, wenn nicht der Vorteil des einzelnen Mannes, eines Erwerbszweiges, einer
Stadt oder einer Provinz geltend gemacht werde, sondern wenn das Ganze, der Staat,
ein kräftig pulsierendes Leben führe. Diese Überzeugung steigert den nüchternen Nütz
lichkeitssinn des Geschäftsmannes zum Idealismus des patriotisch gesinnten Politikers.
Eine innige Verbindung kaufmännischer und staatsmännischer Gedanken bezeichnet die
Eigenart Lansemanns. Dabei tritt das persönliche Moment, die Rücksicht auf den
eigenen Geschäftsvorteil, allmählich in den Hintergrund, um schließlich dem Interesse
und dem Wirken für die Allgemeinheit ganz den Platz zu räumen. Schon 1828
warnt ihn ein Freund vor zu großer Ausdehnung seiner öffentlichen Tätigkeit: er möge
mehr an Weib und Kinder denken, manches gute Geschäft sei ihm entgangen, weil er
anderweitig zu sehr in Anspruch genommen sei; so dächten viele seiner Freunde.
Schwindet nun auch mit der Zeit der unmittelbare Zusaminenhang zwischen seinen
geschäftlichen und politischen Interessen, so verraten diese in ihrer Färbung doch stets
den Boden, aus dem sie erwachsen sind. Seine Kenntnisse, seine Erfahrungen, seine
Gesichtspunkte sind in erster Linie dein Wirtschaftsleben des Staates und der Be
völkerung entnommen. Doch aber steht der ganze Mann im Denken und Landein
unter dem unmittelbaren, unreflektierten Gefühle einer warmen Liebe zu König und
Vaterland, und sein politisches Empfinden wurzelt in dem einfachen, männlichen Ge
danken, die erste Aufgabe des Staates sei: zu leben, an Kraft, Macht und Ehre zu
wachsen. Stand die geistige Kultur des deutschen Volkes auf einer bewunderungs
würdigen Löhe, so war es politisch und wirtschaftlich weit hinter den anderen großen
Nationen zurückgeblieben. Jeder große wirtschaftliche Fortschritt war auch ein politischer
Gewinn. Eines bedang das andere. Wohl durfte man damals sagen, es sei eine
Ehrensache Deutschlands, reicher zu werden. Denn gerade die Armseligkeit der öko
nomischen Verhältnisse machte den Deutschen in den Augen des Fremden und in
seinen eigenen lächerlich. Darum war es kein Banausentum, wenn Männer wie
Lanscmann, Larkort, List u. a. den wirtschaftlichen Aufschwung als mächtigsten Lebel
der Größe und Zukunft Deutschlands betrachteten, auch wenn sie diesen Gedanken
gelegentlich einseitig betonten. Laut genug konnte er den idealistischen Deutschen über
haupt nicht gepredigt werden, obwohl der reale Hintergrund des nationalen Idealismus
vor allem das Verlangen nach Wirtschaftseinheit war.
In dieser Gesinnung lebte Lansemann als aufmerksamer Beobachter der inneren
und äußeren Politik Preußens und aller Vorgänge in den fremden Staaten, ünauf-
hörlich beschäftigte ihn das Problem dieses preußischen Staates. Nach jeder Richtung
hin erschien sein Wesen rätselhaft, widerspruchsvoll: eine Großmacht ohne die rechten
Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Stellung, zerrissen in zwei getrennte Land
komplexe, mit geradezu unmöglichen Grenzen, umgeben von eifersüchtigen, übelwollenden
kleinen und übermächtigen großen Staaten; eine Administration von so freisinnigen,
modernen Grundsätzen, wie sie in der Städteordnung, in der Landelspolitik, in der