Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Die  europäischen  Kaffccmärktc.

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nur  klein.  Auf  den  Lochebenen  Afrikas  südlich  vom  Äquator  wird  der  Kaffecbau
in  größerem  Maße  in  Angola  betrieben,  und  in  Dcutsch-Ostafrika  bestehen  vielversprechende ­
  Pflanzungen.
Gegenwärtig  kommt  jährlich  ein  Quantum  von  9—10  Millionen  Meter-Zentner
Kaffee  in  den  Welthandel,  das  ist  mehr,  als  die  Welt  verbraucht.
London  ist  entsprechend  den  Schiffahrtsverbindungen  ein  Lauptstapelplatz  für
Kaffee;  daselbst  sind  alle  Sorten  vertreten,  ausgenommen  etwa  die  Provenienzen  von
Riederländisch-Jndien,  die  ihren  Weg  hauptsächlich  nach  Lolland  nehmen.
Zn  London  finden  jeden  Dienstag,  Mittwoch,  Donnerstag  und  Freitag  die
öffentlichen  Kaffeeauktionen  statt.  Dieselben  werden  von  den  Brokers  im  Aufträge
der  Importeure  abgehalten.  Der  zur  Auktion  kommende  Kaffee  wird  nach  Qualität
und  Provenienz  in  Serien  und  Lose  geteilt  und  von  dem  Broker  beschrieben,  damit
der  Käufer  sich  schon  früher  orientieren  kann.
Die  Verkaufskonditioncn  sind  folgende:  pro  Cwt.  (—  50  a / 4  kg)  in  sh  und  p,
1—1 1 k°lo  Eskompte  (discount),  Gutgewicht  und  Tara  nach  Provenienz  und  Verpackung.
Der  Verkauf  erfolgt  prompte,  d.  h.  die  Valuta  ist  fällig  in  30  Tagen,  vom  ersten
Samstag  nach  der  Auktion  an  gerechnet.  Der  Broker  erhält  1%,  und  zwar  Va  °/o
vom  Käufer,  Vz  °/o  vom  Verkäufer.  Der  Ausgleich  erfolgt  zwischen  Käufer  und  Broker.
Die  Anstellungen,  welche  die  Londoner  Kaffeehäuser  nach  dem  Kontinente  machen,
sind  nach  Österreich-Llngarn  gewöhnlich  „cf",  »ach  den  Ostseeplätzen,  nach  Norwegen
und  Schweden  „cost"  (erste  Kosten).
Auf  dem  Kontinente  sind  die  zwei  Lauptstapelplätze  für  Kaffee  L  a  m  bürg  und
Lavre.  Dieselben  haben  eine  führende  Rolle  und  machen  von  Jahr  zu  Jahr  größere
Umsätze.
.Hamburg  notiert  Kaffee  pro  Vs  kg  in  Pfennigen.  Der  Verkauf  bezw.  Kauf
erfolgt  auf  Basis  der  vom  „Vereine  der  am  Kaffeehandel  beteiligten  Firmen"  1889
verfaßten  und  am  5.  Dezember  1899  abgeänderten  allgemeinen  Llsancen.
Lavre  notiert  Kaffee  pro  50  kg  in  Francs;  Lavreser  Konditionen:  Zahlung
Eskompte  1  Vs—2%;  Tara  nach  Provenienz  und  Verpackung.
Marseille  handelt  mit  Kaffee  aus  Brasilien,  Niederländisch-  und  Britisch-Zndien,
  aus  Westindien  (Portorico,  .Haiti)  und  von  der  Nordküste  Südamerikas.
Notierung  und  Konditionen  mit  Lavre  übereinstimmend.
Triest  ist  seit  Eröffnung  des  Suezkanals,  namentlich  aber  seit  Einführung  des
Differenzialzolles  ein  wichtiger  .Handelsplatz  für  ostindischen  Kaffee  und  hat  durch  die
Errichtung  einer  regelmäßigen  Dampferlinic  nach  Brasilien  auch  für  den  dortigen
Kaffee  erhöhte  Bedeutung  gewonnen.
Triest  notiert  pro  50  kg  netto  in  österreichischen  Kronen  auf  Basis  der  Triester
Llsancen  vom  Jahre  1902.  Bei  Abschlüssen  Per  Kassa  beträgt  das  Skonto  4Vs°/».
Für  Brasilkaffee  kommt  ferner  Antwerpen  (Anvers)  als  wichtiger  Platz  in
Betracht.
Antwerpen  notiert  pro  50  kg  in  Francs.  Man  kauft  nach  Muster  oder  Type.
Die  holländischen  Plätze  Amsterdam  und  Rotterdam  sind  die  maßgebenden
europäischen  Plätze  für  Kaffee  von  Java,  Sumatra  und  Celebes.  Wie  bekannt,  ist
die  Kaffeekultur  auf  Java  zum  Teile  Zwangskultur.  Dieser  zwangsweise  dem  Gouvernement ­
  für  einen  bestimmten,  fixen  Preis  zu  liefernde  Kaffee  wird  von  der  Niederländischen ­
  Landelsgesellschaft  für  Rechnung  der  niederländischen  Regierung  nach  Lolland
gebracht  und  dort  in  öffentlichen  Auktionen  verkauft.  Diese  Auktionen  finden  abwechselnd
in  Amsterdam  und  Rotterdam  statt;  der  zur  Auktion  kommende  Kaffee  wird  nach
Qualität  und  Provenienz  in  Lose  (lots)  eingeteilt,  tariert  und  dann  verauktioniert.
Die  Taxe  wird  nach  holländischer  Llsance  bestimmt,  d.  i.  pro  Vs  kg  in  Cents  holländisch,
da  sowohl  Amsterdam  als  Rotterdam  Kaffee  so  notieren.
            
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