4. Der Plan einer mitteleuropäischen Zollunion.
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wie denjenigen für Waren aus anderen Ländern doch noch erheblich größer. Es wäre
ja am besten, es ließe sich beides erreichen; aber solange sich ein Land, das für unsre
Waren ein wichtiger Abnehmer ist, nicht zu vertragsmäßiger Bindung seiner Zölle
herbeiläßt, ist die Meistbegünstigung immer noch besser als die Vettragslosigkeit und
die Differenzierung der Zölle zu unserem Schaden.
Wenn wir uns nun zu den Tarifverträgen wenden, so finden wir, daß auch
diese in sehr verschiedenem Grade die zollpolitische Autonomie binden können. Sic
können sich darauf beschränken, für wenige bestimmte Warengattungen die Zölle fest
zulegen; sie können die Zusicherung enthalten, daß überhaupt gegenüber dem bestehenden
Tarif keine Zollerhöhungen während der Vertragsdauer vorgenommen werden sollen;
sie können schließlich eine Reihe von Zollermäßigungen gegenüber dem allgemeinen
Tarif festsetzen.
In der Regel ist das letztere der Fall. Reben den allgemeinen Zolltarif, der
für Länder gilt, mit denen keine Handelsverträge bestehen, neben den sog. General
tarif tritt dann ein Vertragstarif oder Konventionaltarif, an dessen Ermäßigung
gegenüber dem Generaltarif die Länder mit Meistbegünstigung partizipieren. Der
einheitliche Generaltarif bildet die Basis der Verhandlungen, und die Regierungen
haben es, vorbehaltlich der Genehmigung durch die gesetzgebenden Körperschaften, in
der Land, Ermäßigungen der Zollsätze des Generaltarifs zuzugestehen.
4. Der Plan einer mitteleuropäischen Zollunion.
Von Georg Gothein.
Gothein, Der Deutsche Außenhandel. Materialien und Betrachtungen. Berlin, Siemenroth
& Troschel, tM. 5. HZ—H7.
Die Befürchtung, daß die großen Wirtschaftsgebiete, welche Großbritannien mit
seinen Kolonien, Amerika sowie Rußland bilden, sich gegen die anderen Staaten mehr
und mehr abschließen könnten, hat vielfach den Gedanken angeregt, die Staaten Mittel
europas sollten sich ebenfalls zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet mit gemeinsamer
Zollgrenze zusainmentun; damit würden die industriellen Distrikte gesicherte Absatzgebiete
für ihre Industrieerzeugnisse, die überwiegend landwirtschaftlichen Teile ebenso für ihren
Überschuß an Produtten des Ackerbaues und der Viehzucht finden und vermöchten so
gesichert jeder Zukunft entgegengehen als ein sich selbst genügendes Wirtschaftsgebiet.
Daß selbst die Vereinigten Staaten von Amerika, selbst Rußland, also beides
Staaten, die von den Eiswüsten des Nordpols bis in die Tropen hineinreichen, sich
selbst nicht alle Rohprodukte, deren sie bedürfen, beschaffen können, ist nicht zu bestreiten.
Die Vereinigten Staaten sind auf die Einfuhr von Kaffee und Tee, von Wolle, Läuten,
und Jute, von Gewürzen und Kakao, von Zinn, Salpeter und Gerbstoffen, kurz von
sehr vielen wichtigen Rohstoffen angewiesen, und wenn es auch allenfalls möglich wäre,
einige derselben mit der Zeit in genügender Menge und Qualität selbst zu erzeugen,
so ist das bei anderen gänzlich ausgeschlossen. Die Wünsche nach einem Panamerika
finden aber gerade in Mittel- und Südamerika sehr wenig Sympathien; die dorügen
Staaten sind mit ihren Produkten — Brasilien mit Kaffee, Argentinien mit Wolle,
Läuten, Fleischextrakt, Quebrachoholz, Chile mit Chilisalpeter, Leder und Kupfer,
Venezuela mit Kakao usw. — auf den Absatz nach allen Ländern angewiesen; sie
haben das lebhafteste Interesse, sich ihre anderen Abnehmer kaufttäsüg zu erhalten und