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r rr ich ja gar nicht", fiel Wilhelm hitzig ein. „Natürlich
sollen die Arbeitslöhne erhöht werden. Das wäre gewiß auch für den Absatz
Waren gut. Wenn die Arbeiter mehr Geld hätten, würden sie gewiß
< r E^ufen und unser Geschäft würde sich heben. Aber wir sprechen
doch nicht davon, was schön wäre und was wir uns wünschen, sondern davon,
^^"^chchoschleht. Tatsächlich werden die Löhne nicht oder sehr wenig
erhöht und die Waren finden doch Absatz. Da bleibt also nur übrig, daß sie
entweder von den reichen Leuten selbst gekauft oder daß sie exportiert
to ' C lK n - „w“ °ber gerade vorhin selbst gesagt, daß die reichen Leute
nicht so viele Massenartikel kaufen. So bleibt also mtr die Ausfuhr übrig."
„-vM, ober erlaub einmal die Frage," warf ich nun ein, „werden denn
unsere exportierten Waren verschenkt?"
„Natürlich nicht", erwiderte Wilhelm unwillig. „Im Ausland werden
sie eben^gut verkauft, sonst würde man sie doch nicht ausführen."
r, "Schön", erwiderte ich; „aber wenn die Waren verkauft und nicht
verichenkt werden, dann sehe ich nicht ein, wieso dadurch die Schwierigkeit
behoben werden soll, die euch soviel zu denken gibt. Denn für das Geld
Serben wieder tm Auslande Waren eingekauft und zu uns eingeführt.
Tatsächlich gleichen sich ja Ausfuhr und Einfuhr der meisten Länder im
Werte annähernd aus. So werden zum Beispiel aus Deutschland Waren
nn Werte von 8000 Millionen Mark im Jahre ausgeführt und für 9000
Millionen eingeführt. Ihr seht also, die Schwierigkeit wird durch den
Handel nach fremden Ländern nicht geringer, sondern eher größer."
Art wäre es dann wohl das Gescheiteste", erwiderte
Wilhelm lachend, man würde Jahr für Jahr etliche Millionen zuni Beispiel
rns Meer trerfen, damit auf dem Warenmarkt Luft wird. Ihr seht aber,
es geht auch, ohne daß das geschieht. Ich habe wenigstens noch nichts davon
gehört, daß die Kapitalisten miteinander übereingekommen wären, jährlich
etliche Millionen ins Meer zu versenken. Früher soll ja so etwas zuweilen
vorgekommen sein. So habe ich kürzlich gelesen, daß die Holländer ganze
Schiffsladungen von kostbaren Gewürzen ins Wasser geworfen haben, um
die Preise hoch zu halten. Heute geschieht so etwas aber doch nicht mehr "
„Da irrst du dich aber gründlich", antwortete ich. „Gerade heute ge-
Ichieht dasein noch viel größerem Maßstabe als jemals früher, und dabei
listet " ^ aCf,e ' tt,rau gemacht, daß sie die Kapitalisten selbst fast nichts
„Da bin ich aber neugierig, wo und wann das geschehen soll", unter-
•‘Jsr nn $ Wilhelm. „So etwas ließe sich doch nicht heimlich machen. Du
willst uns einen Bären aufbinden."
„Das geschieht auch gar iiicht heimlich," antwortete ich ruhig, .sondern
vor aller Augen. Das Parlament berät jedes Jahr, wie viele' Millionen
wieder ins Wasser geworfen werden sollen; oft bestimmt es die Summen
schon auf Jahre voraus. Die Kosten, die daraus entstehen, werden dann
durch indirekte Steuern aufgebracht, das heißt: die Lebensmittel werden ver-'
teuert, und auf diese Weise muß die große Masse der armen Leute be
zahlen was die Kapitalisten ins Wasser werfen. Und es handelt sich dabei
gar nicht etwa um geringfügige Summen, sondern um Hunderte von
Millionen."
„Aha, jetzt verstehe ich schon, wc>s Giistav meint", fiel hier Karl
lächelnd ein. „Es ist unsere Kriegsmarine. Da werden wirklich Jahr für
isnfir Hunderte von Millionen ins Wasser geworfen, ohne daß wir jemals
etwas dafür zurückbekommen wie beim Außenhandel. Aber gerade so wie