Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

30

Erster  Teil.  Deutsche  Volkswirte,  Kaufleute  und  Industrielle.

Die  vorstehenden  Mitteilungen  beweisen,  das  in  dem  Volkswirtschaftlichen  Kongresse
von  Anfang  an  die  verschiedensten  Richtungen,  Anschauungen  und  Interessen  vertteten
gewesen  sind.  Der  Kongreß  hatte  kein  ihn  bindendes  Programm  ausgestellt,  sondern
sich  nur  zu  dem  Grundsatz  bekannt,  daß  man  durch  ehrlichen  Meinungskampf  mit
Gründen  und  Tatsachen  ernstlich  nach  Wahrheit  ringen  und  das  Gemeinwohl  praktisch
fördern  müsse.  Es  ist  ihm  mit  Anrecht  vorgeworfen  worden,  daß  er  eine  freihändlerische
Vereinigung  gewesen  sei.  Er  war  ein  Vereinigungspunkt  für  Theoretiker  und  Praktiker ­
  der  verschiedensten  Richtungen  zur  Beleuchtung  und  öffentlichen  Erörterung  volkswirtschaftlicher ­
  Fragen.  Es  sind  auf  verschiedenen  volkswirtschaftlichen  Kongressen,
z.  B.  in  Stuttgart  und  München,  schutzzöllnerische  Beschlüsse  gefaßt  worden.  Die
Verdienste  des  Kongresses  beruhen  nicht  auf  seinen  Beschlüssen,  sondern  auf  den  von
ihm  veranlaßten  Berichten,  Enqueten  und  Verhandlungen.  Seine  Arbeiten  und  Vorschläge ­
  haben  in  der  neueren  deutschen  Gesetzgebung  die  umfassendste  Berücksichtigung
gefunden  und  sind  in  den  Motiven  vieler  neuen  Gesetze  oft  wörtlich  enthalten.  Er
ist  nicht  wegen  der  Konkurrenz  des  im  Jahre  1873  besonders  von  Schmoller  begründeten ­
  und  seitdem  geschickt  geleiteten  „Vereins  für  Sozialpolitik"  eingegangen,
sondern  weil  der  letzte  Vorsitzende  der  ständigen  Deputation,  Dr.  Karl  Braun,
wohl  zum  Teil  wegen  Krankheit  und  parlamentarischer  Äberbürdung,  es  unterlassen
hatte,  die  ständige  Deputation  wiedereinzuberufen  und  weitere  Kongresse  vorzubereiten.
Nach  dem  Tode  Karl  Brauns  hat  niemand  daran  gedacht,  einen  andern  Volkswirt ­
  an  seine  Stelle  zu  setzen.  Es  ist  dies  im  öffentlichen  Interesse  der  Entwickelung
der  deutschen  Volkswirtschaft  zu  beklagen,  weil  der  Kongreß  Deutscher  Volkswirte  nicht
bloß  „sozialpolitische",  sondern  überhaupt  die  verschiedensten  volkswirtschaftlichen,  insbesondere ­
  auch  Fragen,  welche  Lande!  und  Schiffahrt  und  Zollwesen  betreffen,  zur
Erörterung  gezogen  hatte.  In  ganz  hervorragender  Weise  hat  er  die  Lösung  der
deutschen  Münzfrage  gefördert  und  vorbereitet.

13.  Männer  des  Zentralverbandes  Deutscher  Industrieller.
Von  L.  A.  Bueck.
B  ueck,  Der  Zentraloerband  Deutscher  Industrieller  i8?e—1901.  1.  Bd.  Berlin,  I.  Gutteutag,
1902.  S.  208—210.
Die  Delegiertenversammlung  des  Zenttalverbandes  Deutscher  Jndusttieller  wählte  am
5.  und  6.  Oktober  1885  u.  a.  die  Lcrren  Geh.  FinanzratIencke-Essen  und  Kommerzienrat
Eugen  Langen-Köln  in  das  Direktorium.
Geh.  Finanzrat  Iencke  war  aus  der  Generaldirektton  der  Königlich  Sächsischen
Staatseisenbahnen,  in  der  er  die  Stellung  eines  Chefs  der  Verkehrsabteilung  bekleidet
hatte,  am  1.  Januar  1879  in  die  Dienste  der  Firma  Fried.  Krupp  in  Essen  eingetteten.
  Von  dieser  wurde  ihm  der  Vorsitz  in  dem  Prokurakollegium  der  Firma,
das  später  die  Bezeichnung  „Direktorium"  erhielt,  überttagen.  In  den  ersten  Jahren
seiner  Stellung  in  der  Industrie  beschäftigte  sich  Iencke  fast  ausschließlich  mit  den
Angelegenheiten,  die  ihm  aus  seiner  bedeutenden  und  verantwortungsvollen  Stellung
in  der  Firma  Krupp  zufielen.  Erst  als  die  sozialpolitischen  Fragen  auf  den  Gebieten
der  Arbeiterversicherung,  des  Schutzes  der  Arbeiter  und  der  Gewerbeordnung  die  Aufmerksamkeit ­
  und  Tätigkeit  der  industriellen  und  wirtschaftlichen  Vereinigungen  nachdrücklich ­
  in  Anspruch  nahmen,  schloß  er  sich  den  bedeutendsten  dieser  Vereinigungen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.