Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Der  ilmfang  der  deutschen  Binnenschiffahrt.

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hinsichtlich  der  Größe  und  Beschaffenheit  der  Fahrzeuge.  Die  von  der  Binnenschiffahrt
in  Deutschland  bewirkte  Güterbeförderung,  nach  Tonnen  und  zurückgelegten  Kilometern
oder  sog.  Tonnenkilometern  berechnet,  hat  sich  in  den  25  Jahren  von  1875  bis  1900
von  2,9  aus  11,5  Milliarden,  also  um  297%  gehoben,  während  die  Zahl  der  von
der  Eisenbahn  geleisteten  Tonnenkilometer  in  derselben  Zeit  von  10,9  aus  36,9  Milliarden, ­
  also  um  239  %  gestiegen  ist.  Von  dem  Gesamtverkehr  Deutschlands  entfielen
1875  79%  aus  die  Eisenbahnen,  21%  auf  die  Wasserstraßen.  Der  Anteil  der  letzteren
war  bis  1900  aus  24%  gestiegen,  trotzdem  die  Länge  der  Eisenbahnen  in  der
Zwischenzeit  sich  um  87%  vermehrt  hatte,  diejenige  der  Waffel-straßen  ungefähr  die
gleiche  geblieben  war.
Vom  Jahre  1875  bis  1900  stieg  der  Verkehr  aus  der  Oder  von  154  aus
1042  Millionen  1km,  aus  der  Elbe  von  435  aus  2  605  Millionen  1km,  aus  dem
Rhein  von  882  aus  5  292  Millionen  1km.  Den  stärksten  kilometrischen  Iahresverkehr
wies  im  Jahre  1900  der  Rhein  von  Köln  bis  zur  Landesgrenze  bei  Emmerich  mit
mehr  als  13000000  1  aus;  derselbe  wird  aus  keinem  Binncnwasserwege  Europas
erreicht  und  nur  von  dem  der  großen  Seen  Nordamerikas  überttoffen.
Beachttmg  verdient  es,  daß  die  Zunahme  im  deutschen  Eisenbahnverkehr,  wenn
auch  verhältnismäßig  nicht  so  stark  wie  aus  den  Wasserstraßen,  doch  eine  ganz  bedeutende ­
  gewesen  ist  und  die  aller  anderen  europäischen  Staaten  übertrifft,  also  durch
den  Aufschwung  der  Binnenschiffahrt  nicht  gehemmt  wurde.
In  ähnlicher  Weise  wie  der  Güterversand  hat  sich  auch  die  Zahl  und  namentlich
die  Tragfähigkeit  der  Fahrzeuge  vermehrt.
Am  31.  Dezember  1877  wiesen  die  deutschen  Fluß-,  Kanal-,  Lass-  und  Küstenschiffe ­
  einen  Bestand  aus  von  570  Dampfschiffen  mit  31000  1  angegebener  Tragfähigkeit, ­
  sowie  17  083  Segel-  und  Schleppsahrzcugen  mit  13500001  Tragfähigkeit,
dagegen  am  31.  Dezember  1897  von  1953  Dampfschiffen  mit  104000  1  angegebener
Tragfähigkeit,  sowie  20611  Segel-  und  Schleppsahrzcugen  mit  3  270  000  1  Tragfähigkeit. ­

Zahl  und  Tragfähigkeit  der  Dampfer  haben  sich  also  in  20  Jahren  verdreifacht,
während  die  Zahl  der  für  die  Güterbeförderung  überwiegend  benutzten  Segel-  und
Schleppsahrzeuge  sich  um  21%,  deren  Tragfähigkeit  um  143%  vermehrt  hat.
Vergleichsweise  sei  bemerkt,  daß  die  3693  am  1.  Januar  1898  vorhanden
gewesenen  deutschen  Seeschiffe  einen  Raumgehalt  von  rd.  I  600  000  Netto-Registertonnen
  oder  eine  ungefähre  Tragfähigkeit  von  2400  000  Gewichtstonnen  hatten.  Das
Ladevermögen  der  deutschen  Seeschiffe  wird  also  im  Vergleichsjahr  von  dem  der
deutschen  Binnenschiffe  noch  erheblich  übertroffen.
Die  Vergrößerung  der  Fahrzeuge  und  die  damit  verbundene  Ermäßigung  der
Schiffsfrachten  haben  die  deutsche  Binnenschiffahrt  befähigt,  sich  nicht  nur  lebensfähig
zu  erhalten,  sondem  jene  bedeutende  Entwicklung  zu  nehmen,  die  oben  dargelegt  ist.
hiermit  im  Zusammenhange  steht  eine  oft  gehörte  Behaupttmg,  daß  die  Regulierung ­
  der  Ströme  und  der  Bau  großer  Kanäle  die  Folge  haben,  die  Kleinschiffahrt
zu  vernichten.  Aus  diesem  Grunde  widerstreben  die  Einzelschiffer  auch  vielfach  einem
zeitgemäßen  ilmbau  der  Wasserstraßen.  Die  Statistik  zeigt  aber,  daß  diese  Bedenken
unbegründet  sind.  Vergleicht  man  den  Stand  der  Binnenschiffahrt  im  Jahre  1897
mit  dem  von  1877,  also  vor  der  Inangriffnahme  der  neueren  Flußregulierungen  und
Kanalbauten,  so  ergibt  sich  zwar,  daß  die  durchschnittliche  Tragfähigkeit  der  Binnenschiffe ­
  sich  von  80  1  aus  160  1  erhöht  hat,  daß  auch  die  Abmessungen  und  die  Zahl
der  großen  Schiffe  aus  allen  verbesserten  Wasserstraßen  erheblich  zugenommen  hat,
es  zeigt  sich  aber  auch,  daß  die  Großschiffahrt  die  kleinen  Schiffe  keineswegs  verdrängt
hat.  Wenn  auch  die  ganz  kleinen  Schiffe  bis  zu  100  1  Tragfähigkeit  eine  Verminderung ­
  erfahren  haben,  so  ist  dies  in  der  Hauptsache  nicht  deshalb  geschehen,  weil
            
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