Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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7. Lande! und Landwirtschaft. 
Jahre eine Stimme bei der Reichstagswahl abzugeben. Auch die gelegentliche Tätigkeit 
in Vereinen, in dein öffentlichen Leben der engeren Leimat ist nicht ausreichend. 
Vielmehr muß jeder Kaufmann trachten, mindestens die dringlichsten Probleme, welche 
unser heutiges Staats- und Kulturleben hervorgebracht hat, so eingehend wie möglich 
kennen zu lernen; jeder Kaufmann muß wissen, welche Pflichten der Besitz gegenüber 
Kunst und Wissenschaft zu erfüllen hat. Erst wenn ein solches Gefühl eigener Pflicht 
und Verantwortlichkeit unseren tüchtigen deutschen Landelsstand durchdringt, wird seine 
Zukunft sich wiederaufhellen. 
7. Handel und Landwirtschaft. 
Von Adolf Frentzel. 
Frentzel, Bericht über die Gesetzentwürfe betreffend: den verkehr mit Butter, Käse, 
Schmalz und deren Ersatzmitteln (Margarinegesetz); den verkehr mit kjandelsdünger, Kraftfutter- 
mitteln und Saatgut; die Reform der Börsen. Verhandlungen des 22. Deutschen kjandelstages 
zu Berlin am io. März t8gs. Stenographischer Bericht. Berlin, Liebheit & Thiesen, 1896. S. 5 
und S. 5—6. 
Unsere heutige Tagung erfolgt unter dem Eindrücke einer allgemeinen Verstimmung, 
die sich wie ein trüber Nebel auf dem Landelsstande Deutschlands abzulagern im Be 
griffe ist. Wir sehen, daß innerhalb der Parteien, die augenblicklich im Reichstag die 
Majorität in den Länden haben, ein dem freien Landel und Verkehr fremdes, ja wohl 
feindliches Gefühl wohnt, — ein Geist, der die wirtschaftlich ungünstige Lage der Land 
wirtschaft dadurch zu bessern meint, daß er allen anderen Ständen, speziell dem Lande! 
und Gewerbe Fesseln anlegt. . . . 
Wir haben mit Begeisterung die Erinnerung an die Großtaten gefeiert, durch 
welche das deutsche Volk, Mann an Mann, geführt von seinem großen Kaiser und 
geleitet vom bedeutendsten Staatsmanne des Jahrhunderts, glücklich sich die Stellung 
wiedererobert hat, die ihm unter den Völkern des Erdballs zukommt. 
Wir haben, wie alle Deutschen, dabei sicherlich gelobt, das Errungene auch zu 
bewahren und nach unseren Kräften und an unserem Teile dazu beizutragen, daß sich 
das deutsche Leben auf allen Gebieten immer reicher entfalte, daß auch die Arbeit des 
Kaufmanns dazu beitrage, die Lebensbedingungen unseres Volkes zu verbessern, sein 
Wohlbehagen zu vermehren, und mit dafür sorge, daß es teilnehme an den Errungen 
schaften auf wirtschaftlichem und technischem Gebiete, auch teilnehme an den Segnungen, 
die ein reger Gewerbefleiß über ein fleißiges Volk verbreitet, wenn ihm ein kräftiger 
Lande! zur Seite steht. Am die Produkte des Gewerbefleißes im Inlande und im 
Auslande an die Käufer zu bringen, dazu gehört unter anderem auch ein eifriger, unter 
nehmender, ja ein wagemutiger Landelsstand. And ein solcher duldet nicht, daß man 
ihn reglementiert; er verträgt es nicht, wenn man die Einrichtungen, die er sich selbst 
zur Behauptung seiner Standesehre schafft, einer Zwangsaufsicht unterstellt, — einer 
Zwangsaussicht, die an sich nach der Meinung der Kaufleute unnöüg ist, die ihnen 
aber doch das Gefühl einer Bevormundung auferlegt, die freien Männern nicht geziemt. 
Ans ist es nicht allein die materielle Schädigung, welche wir fürchten, — es ist 
vielmehr die Kränkung, die wir darüber empfinden, daß man uns in unseren Gefühlen 
verletzt, daß man uns den Mut nehmen will, ehrenhaft und mit erhobenem Laupte 
unserem Erwerbe nachzugehen, und die Sorge, die uns bedrückt, daß die in diesen Ge-
	        
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